Seit einiger Zeit macht eine Gruppe von obdachlosen Frauen in Köln durch Besetzungen auf mangelnden Wohnraum, explodierende Mieten und wachsende Obdachlosigkeit aufmerksam. Eine Woche lang organisierten sie nun Proteste vor dem Kölner Wohnungsamt. Im Interview erzählen sie von ihren Forderungen und Beweggründen.

Wer seid ihr und was macht ihr hier?

Wir sind die „1006-Crew“, bzw. die Frauen der 1006, und wir wollen hier darauf aufmerksam machen, wieviel Obdachlosigkeit es in Köln gibt und dass die Stadt Köln sehr wenig für die Obdachlosen tut und es überhaupt keinen Wohnraum für Menschen, die auf der Straße leben, gibt. Bei uns sind verschiedenste Menschen aktiv. Unter uns gibt es Selbstständige, politische AktivistInnen und natürlich direkt betroffene Obdachlose.

Wie läuft es denn bisher und wie ist die Resonanz?

Die Resonanz ist insofern gut, als die Leute, die uns sehen und beim Wohnungsamt waren oder reingehen, alle erst mal gucken und wissen wollen, was wir machen und sagen, dass sie das gut finden. Allerdings ist hier nicht viel Publikumsverkehr, was einen wundert, weil das hier ja im Endeffekt das Wohnungsamt ist, vor dem wir stehen, aber offenbar hat sich rumgesprochen, dass einem bei der Stadt nicht wirklich geholfen wird. Was aber auch oft berichtet wird.

Die Leute die raus kommen, erzählen uns also immer wieder, wieso was nicht klappt, oder dass ihnen das Wohnungsamt nicht helfen kann. Gestern hatten wir einen Fall, da war ein Pärchen da. Die Frau hat ein Kind und war schwanger und ist seid sechs Monaten obdachlos. Gleichzeitig kann sie ihr Kind nicht versorgen, weil sie auf der Straße lebt. Das heißt, das Jugendamt hat sich eingeschaltet und das Kind ist auch nicht mehr bei ihr, sondern irgendwo im Heim. Also ziemliche Horror-Geschichten, und wenn man das hört, bekommt man einfach nur Wut.

Was muss sich eurer Meinung nach verändern und wie schafft man das?

Ich denke, dass die Stadt Köln viel mehr dafür tun muss, Wohnraum zu schaffen. Die Stadt Köln setzt ja aktuell ihre Priorität auf die Flüchtlingsunterkünfte, was sehr gut funktioniert und was ich auch vernünftig finde, aber sie setzt halt überhaupt keine Priorität für Leute, die eben wenig Geld haben und ne billige Wohnung brauchen, bzw. für Obdachlose. Da muss sich in meinen Augen ganz dringend was tun. Eigentlich müssen nur die politischen Weichen dafür gelegt werden, damit für diese Zwecke eben Gelder fließen können. Aber da findet anscheinend nichts statt, obwohl die Stadt Gegenteiliges behauptet. Wir bekommen davon aber nichts mit.

Wie sieht denn aktuell die Situation um den Wohnungsmarkt aus? Was sind eure Erfahrungen und wie schwer ist es tatsächlich, eine Wohnung zu bekommen?

Aktuell kümmere ich mich um eine Familie. Die beiden Eltern, mit ihren vier Kindern, wohnen mit ihren Großeltern auf 42 m² zusammen, und diese kleine Familie sucht jetzt seit mittlerweile vier Jahren nach einer Wohnung in Köln. Ich habe schon etliche Wohnungsbesichtigungen mit ihnen gemacht, wo dann 50 Leute standen, die sich alle auf die selbe Wohnung bewarben. Es ist kaum möglich für Familien Wohnraum zu finden. Da muss irgendwas passieren. Die Stadt muss einfach mehr Wohnraum schaffen.

Es stehen soweit ich weiß etwa 200.000 m² Büroflächen in Köln leer. Natürlich ist das ein Aufwand, Bürogebäude in Wohnungen umzubauen, aber es sind Gebäude. Man kann die umbauen. So etwas muss gemacht werden, es geht nicht anders!

Wie sehen eure zukünftigen Planungen aus und was wollt ihr den LeserInnen mit auf den Weg geben?

Unsere Planungen sehen so aus, dass wir versuchen, möglichst viele Obdachlose und Wohnungssuchende zu uns einzuladen. Wir treffen uns immer dienstags bei der Sozialistischen Selbsthilfe Mülheim und sind der Meinung, dass wir mehr werden müssen und dass sich im Prinzip alle zusammen schließen müssen, weil es ja nicht nur um das Thema Wohnungslosigkeit geht, sondern eigentlich geht es um die große Umverteilung in der Gesellschaft, also dass ganz wenige an der Spitze der Gesellschaft enormen Profit aus uns schlagen.

Da muss man eben für mehr Solidarität werben, das heißt, eigentlich müssen alle begreifen, dass sie im selben Boot sitzen. Im Prinzip fast wie im Mittelmeer, denn unsere Solidarität muss mindestens bis dorthin gehen.