Inmitten der Verhandlungen zwischen den USA und den islamisch-fundamentalistischen Taliban, haben letztere erneut die nordafghanische Stadt Kundus angegriffen. Mehrere Menschen starben. Auch ein Bundeswehrlager wurde beschossen.

Laut einem Provinzrat wurden in dem nachts erfolgten Angriff zunächst wichtige infrastrukturelle Standorte wie die Zentrale der Elektrizitätsversorgung, ein Polizeibezirk und das Provinzkrankenhaus eingenommen.

Die Taliban hätten sich nun demnach in Häusern verschanzt und lieferten sich von dort aus Gefechte mit Polizei und Armee. Diese befänden sich in der Defensive, offiziell um das „Leben von ZivilistInnen zu schützen“.

Gleichzeitig seien laut einem Polizeisprecher 8 Taliban getötet worden, an deren Zurückdrängen nun auch von außen eintreffende Truppen beteiligt würden.

Die Taliban vermelden ihrerseits, „ein Regierungsgebäude nach dem anderen“ zu erobern.
Dementsprechend wächst die Wahrscheinlichkeit, die Stadt könne wie bereits im September 2015 an die Taliban zurückfallen. Damals konnte sie nur aufgrund massiver Luftangriffe durch die USA zurückerobert werden und wurde seitdem immer wieder angegriffen, da sie große strategische Wichtigkeit besitzt.

Bundeswehrlager beschossen

Auch deshalb befand sich dort während der NATO-Mission ein deutsches Feldlager vor Ort. Dieses wurde zwar an die afghanischen Sicherheitskräfte zurückgegeben, doch auch heute sind dort noch Bundeswehr-Soldaten stationiert.

Sie sollen im Rahmen der „Resolute Support“-Mission jedoch lediglich „beraten“. Auch dieses Lager wurde im Rahmen des Angriffes beschossen.

Die Angriffe fallen in die scheinbare Schlussphase der seit einem Jahr andauernden Gespräche zwischen den Taliban und den USA, im Zuge derer letztere angekündigt hatten, ihre Militärpräsenz in der Region zu reduzieren.