Seit 39 Tagen streiken die ArbeiterInnen beim US-Autobauer Generalmotors – Es ist der längste Streik in der US-Geschichte seit Jahrzehnten. Diese Woche stimmen sie über einen ausgehandelten Deal zwischen Gewerkschaftsführung und Unternehmenschefs ab. Doch viele ArbeiterInnen sind unzufrieden.

Noch bis Freitag sollen die MitarbeiterInnen des amerikanischen Konzerns General Motors darüber abstimmen, ob sie die vorläufige Einigung akzeptieren wollen, die UAW-Gewerkschaftsführung und General Motors in dieser Woche erzielt haben. Der Streik geht während der Abstimmung weiter.

Die ArbeiterInnen könnten jedoch dem Beispiel streikender LehrerInnen in West Virginia folgen, die 2017 den ersten Deal der Gewerkschaftsführung ablehnten. Sie schickten diese zurück an den Verhandlungstisch, um ein besseres Abkommen herauszuschlagen.

Viele Forderungen nicht erfüllt

An der bislang ausgehandelten Vereinbarung gibt es viel Kritik:

  • Die derzeitige Einigung umfasst eine Gehaltserhöhung zwischen drei und vier Prozent alle zwei Jahre, ohne dass mehr für die Gesundheitsfürsorge gezahlt werden muss. Das gleicht jedoch gerade einmal die Inflation aus.
  • Die Schließung des Montagewerks in Lordstown und von drei weiteren Fabriken wird akzeptiert.
  • Der Vorschlag behält zudem das verhasste zweistufige Lohn- und Leistungssystem bei, auch wenn es die Zeit vom Übergang einer Stufe in die andere verkürzt.
  • Zudem eröffnet die Vereinbarung GM die Möglichkeit, eine unbegrenzte Anzahl von LeiharbeiterInnen zu beschäftigen. Jede Einstellung muss allerdings von der UAW „genehmigt“ werden.
  • Ebenfalls bleiben die von GM versprochenen Milliardeninvestitionen in US-Standorte sowie die Einstellung zusätzlicher ArbeiterInnen aus.

In der GM-Fabrik in Tennessee hat bereits die Mehrheit der Arbeiterinnen knapp mit 1.673 zu 1666 Stimmen den Vertrag abgelehnt.

Auch unter den Zulieferern gibt es eine breite Ablehnung: „Der Vertrag ist wertlos“, sagte David Brown, der Kommissar von UAW Local 730, der im GMCH-Werk in Grand Rapids, Michigan, arbeitet. „Ich versuche nicht, diese Scheiße an meine Mitglieder zu verkaufen … [die UAW] kann meinen Arsch küssen.“, so der Arbeiter gegenüber Paydayreport.

Doch derzeit scheint sich Mehrheit für ein Ende des Streiks auszusprechen, bei dem die ArbeiterInnen mit 250 Dollar Streikgeld pro Woche auskommen müssen. Eine von UAW-AktivistInnen erstellte Liste spricht von 6454 „Ja“-Stimmen bei „4157“ „Nein“-Stimmen. Doch über 35.000 Stimmen stehen noch aus. Es bleibt also abzuwarten, wie sich die ArbeiterInnen entscheiden werden.


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