10. Oktober 2019

Stand 14 Uhr

Unmittelbar nach Beginn der türkischen Offensive hat der Iran zahlreiche militärische Kräfte an der türkisch-iranischen Grenze zusammengezogen und droht diese einzusetzen, sollte die Türkei die Grenze zum Iran überschreiten.

Auch in der Nähe der Stadt Akçakale in der Türkei soll es nun Kämpfe geben. Im Grenzgebiet kommen immer mehr Militärtransporte mit Nachschub für die türkischen Streitkräfte an.

Die Generalkoordination der Zivilen Verteidigungseinheiten (YPS) kündigt an, jeden Ort in der Türkei und Nordkurdistan ebenfalls zum Kriegsschauplatz zu machen, sollte die Offinsive nicht abgebrochen werden. Tatsächlich gab es bereits in der Nacht mehrere Angriff auf türkische Polizei- und Militäreinrichtungen.

Das Exekutivkomitee der PKK hat erklärt, dass man gegen den Angriff des türkischen Staates jedes Haus zu einem Hauptquartier und jede Straße zu einer Verteidigungsstellung machen werde. Sie rief die HPG und YJA-Star dazu auf, ihre Aktionen in Nordkurdistan auf alle Bereiche auszuweiten.

Es gibt erste Berichte über Festnahmen kritischer türkischer JournalistInnen wegen geäußerter Kritik an der türkischen Militäroffensive. Festgenommen wurde der Herausgeber der Nachrichtenseite BİRGÜN online, Hakan Demir. Ebenso wurden Ermittlungsverfahren gegen HDP-PolitikerInnen eingeleitet.

Außer der HDP haben sich alle Parteien im türkischen Parlament für den Krieg in Rojava ausgesprochen. Ebenso haben die wichtigsten Kapitalverbände des Landes (TÜSİAD, TOBB, İTO, İSO, TESK) sich positiv zu dem Kriegseinsatz bekannt.

Erdogan droht der EU für den Fall, dass sie sich offensiv gegen den Krieg in Rojava stellt: „Kommt zu euch, EU! Ich sage euch das noch einmal: Wenn ihr unsere Operation als Besatzung darstellt, dann machen wir das ganz einfach so: Wir öffnen die Tore und schicken euch 3.6 Millionen Flüchtlinge.“

Stand 8.30 Uhr

Die ganze Nacht über gingen die Angriffe der türkischen Armee, insbesondere die Bombardierungen durch Kampfflugzeuge und der Beschuss durch Artillerie weiter. Dabei sollen gezielt auch Wohngebiete beschossen worden sein.

An verschiedenen Stellen hat die Türkei die Grenzmauer zwischen der Türkei und Rojava eingerissen, um mit der großangelegten Bodenoffensive zu beginnen. Mehrfach konnten die Bodentruppen zurückgeschlagen werden. Im Osten von Serekaniye soll es den türkischen Truppen nun gelungen sein, auf syrisches Staatsgebiet vorzudringen.

In Heseke haben islamistische Schläferzellen die Bevölkerung auf den Straßen angegriffen. Die Selbstverteidigungskräfte haben diese umzingelt. Die Kämpfe dauern an.

Auch im seit einen Jahr besetzten Afrin kommt es zu schweren Kämpfen zwischen den türkischen und islamistischen Besatzern und kurdischen Guerillaeinheiten.

Die Internationalistische Kommune von Rojava ruft deshalb zum weltweiten Widerstand gegen die türkische Invasion auf: „Die imperialistischen Kräfte haben beschlossen, in den Krieg zu ziehen. Die Truppen vor Ort schwenken die Flaggen der Türkei und des ‚Islamischen Staates’, aber die Entscheidung wurde nicht nur in Ankara, sondern auch in den Palästen von Washington, Moskau, Paris und Berlin getroffen.“

Die türkische Polizei kündigt in einer Pressemitteilung an, gegen im Internet veröffentlichte Kritiken an der Militäroperation massiv vorzugehen.


09. Oktober 2019

Stand 22 Uhr

Das türkische Verteidigungsministerium hat jetzt offiziell den Beginn der Bodenoffensive verkündet.

Kurdische Selbstverteidigungskräfte sollen sich nun auch starke Gefechte in der auf türkischem Staatsgebiet liegenden nordkurdischen Stadt Şenyurt liefern. An verschiedenen Punkten melden die SDF Erfolge dabei, die türkischen Kräfte am Einmarsch zu hindern.

Türkische Kampfflugzeuge haben das Jarkin-Gefängnis in Qamişlo bombardiert, in dem Gefängnis sind die gefährlichsten internationalen IS-Kämpfer inhaftiert

Bisher sind durch die türkischen Angriffe offiziell mindestens acht Menschen getötet worden (drei SDF-Kämpfer und fünf Zivilisten)

Stand 21 Uhr

Die Kämpfe gehen an der gesamten mehrere hundert Kilometer langen Frontlinie unvermindert weiter.

Die türkische Luftwaffe hat den Mensûra-Staudamm bei Dêrik bombardiert, mit dem die Wasserversorgung der Bevölkerung in der Region gewährleistet wird.

Die SDF melden, einen kleinen Erfolg beim Kampf gegen die türkischen Bodentruppen: Ein türkischer Panzer soll zerstört worden sein.

Die EU-Staaten haben die Türkei in einer gemeinsamen Erklärung zum Abbruch der Militäroffensive in Nordsyrien aufgefordert.

Stand 20 Uhr

In dutzenden Städten überall auf der Welt finden zur Zeit Demonstrationen gegen den türkischen Angriff statt. Auch in zahlreichen Städten in Rojava gehen die Menschen zu Tausenden gegen die Invasion auf die Straße.

Morgen will sowohl der Sicherheitsrat der UN, als auch der Rat der Arabischen Liga eine Sondersitzung abhalten.

In den umkämpften Gebieten wurden zum Teil die Telefon- und Stromleitungen gekappt. Auch das Handynetz soll immer wieder gestört sein. Es wird dadurch schwieriger, Informationen zu verbreiten.

Die ersten Luftangriffe der Türkei sollen laut der SDF den Antiterror-Spezialeinheiten YAT gegolten haben, die eine besondere Rolle im Kampf gegen IS-Schläferzellen spielen.

In der nordkurdischen Stadt Nusaybin (in der Türkei) ist eine Ausgangssperre für alle EinwohnerInnen verhängt worden. Immer mehr Krankenwagen fahren zur Grenze.

Auch die Stadt Kobane wird mittlerweile stark durch Artillerie beschossen.

Stand 19 Uhr

Verschiedene Medien melden starke Gefechte in zahlreichen Städten auf beiden Seiten der türkisch/syrischen Grenze. Sollten diese Informationen stimmen, hat es nur wenige Stunden gedauert, bis sich der Krieg auf die Türkei ausgedehnt hat.

Die Kämpfe sollen sich zudem auf das von der Türkei und islamistischen Milizen besetzte Gebiet in Afrin ausgeweitet haben.

Die demokratische Selbstverwaltung hat unterdessen die Evakuierung eines Teils der Grenzstädte eingeleitet.

Stand 18.30 Uhr

Die Bevölkerung in Rojava wird bewaffnet, um Widerstand gegen die türkische Invasion zu leisten.

Parallel zum Beginn der türkischen Offensive haben die gefangenen IS-Kämpfer im Camp Hol einen Aufstand begonnen und versuchen, die Kontrolle über das Camp zu übernehmen.

Stand 18 Uhr

Seit heute Nachmittag halten die Angriffe der Türkei mit Kampfflugzeugen und Artillerie an.

Das Operationszentrum der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) meldet Angriffe entlang der gesamten Grenze zur Türkei. Die türkischen Bomber haben bereits jetzt auch Ziele rund 50 km innerhalb Syriens bombardiert.

Es soll bereits jetzt zahlreiche zivile Opfer geben. Viele Menschen versuchen, vor den Angriffen zu fliehen.

„Wir werden gegen die Türken kämpfen, damit sie die Grenze nicht überschreiten können. Wir werden alle unsere Möglichkeiten gegen die türkische Aggression nutzen.“, so der Sprecher der SDF, Mustafa Bali.