Der britische Premierminister soll einer Geschäftsfrau, mit der er eine Affaire hatte, öffentliche Gelder zugeschanzt haben. Damit die Öffentlichkeit weniger darüber erfährt, trickste Johnson Google aus und platzierte dort andere Storys. Schon der französische Premier Macron nutzte ähnliche Methoden, als es um ein Gesetz zur Besteuerung von Superreichen ging.

Wenn Menschen sich informieren wollen, nutzen viele die Suchmaschine „Google“. Dabei klickt der absolute Großteil der BesucherInnen auf Links der ersten Seite. Website-Betreiber versuchen ihre Beiträge deshalb so zu optimieren, dass sie möglichst weit oben in der Suche auftauchen. Doch das kann auch umgekehrt geschehen: so können Suchbegriffe neu besetzt werden und damit Suchergebnisse, die ganz oben auftauchen, weiter nach „hinten“ versetzt werden.

Johnson setzt „Model“ neu

Diese Methoden scheint der britische konservative Premierminister Boris Johnson anzuwenden, um seine Skandale herunterzuspielen. So hat er aktuell mit einem Korruptionsskandal zu kämpfen. Er soll in seiner Zeit als Bürgermeister von London der amerikanischen Geschäftsfrau und Ex-Model Jennifer Arcuri insgesamt 126.000 britische Pfund an öffentlichen Gelder zugeschanzt haben. Beide sollen damals eine Affaire gehabt haben.

Wer sich nun zu dem Thema informieren wollte, musste bei Google einfach „boris johnson model“ eingeben. Doch was dann geschah, hat der Twitter-User „Remoaning Myrtle #FBPE“ eingefangen:

Innerhalb einer Stunde hatten die Top-Nachrichten sich geändert und der Skandal war „heruntergestuft“ worden.

Der Premierminister hatte nämlich einfach ein Interview zur Brexit- Debatte gegeben, in dem er sich als „model of restraint“ – also „Modell der Zurückhaltung“ – bezeichnet hatte. Dabei handelt es sich um einen überaus ungewöhnlichen Ausdruck. Auch eine kurz darauf folgende Stellungnahme des Premierministers in einem ganz anderen Zusammenhang enthielt den Begriff „Model“. Folglich rutschte sein Interview bei Google nach oben und der Skandal um das Ex-Model nach unten.

Ähnlich beim „Brexit-Bus“

Johnson hatte schon einmal diese Methode angewendet. So ging es Mitte 2019 um ein mögliches Verfahren gegen Johnson. Er hatte während der Anti-Brexit-Kampagne mit einem Bus agitiert, auf dem stand, dass das Vereinigte Königreich wöchentlich 350 Millionen Pfund an die EU zu überweisen habe. Er wurde deshalb von verschiedenen Seiten der Lüge bezichtigt. Um sich über den Vorfall zu informieren, wurde deshalb oft „Boris Johnson Bus“ gegoogelt.

Im Juni gab Johnson dann ein Interview, indem er erklärte, er würde zur Entspannung „Busse bemalen“. Der britische Guardian sprach damals von einem „bizarren“ Interview, bei dem man die Augenbrauen anheben müsse. Wahrscheinlicher ging es dabei aber einfach darum, den Google-Algorithmus auszutricksen. Denn so fanden sich unter „Boris Johnson Bus“ vor allem Artikel zu seinen Entspannungsvorlieben.

Macron versuchte ähnliche Methode

Johnson steht nicht alleine da. Auch der französische Präsident versuchte Google auszutricksen: So schlug er vor, die französische Eliteschule „ENA“ (École nationale d’administration) in „ISF“ (Institut supérieur des fonctionnaires) umzubenennen. Der Vorschlag kam eben genau zu der Zeit, als Macron gerade ein Gesetz zur Besteuerung von Superreichen gekippt hatte – dessen Name: ISF (Impôt de solidarité sur la fortune, deutsch: Vermögenssteuer). Viele empörte Menschen hatten damals „Macron ISF“ gegoogelt – und landeten ganz oben bei der Frage der Umbenennung.