Rund 16,9 Prozent verdienen Menschen in Ostdeutschland weniger als in Westdeutschland – im selben Beruf, mit vergleichbarer Berufserfahrung. Eine Rechtfertigung für die jahrzehntelang anhaltende, besondere Ausbeutung der ostdeutschen Bevölkerung gibt es nicht.

Laut einer neuen Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der Hans-Böckler-Stiftung liegt der durchschnittliche Gehaltsunterschied zwischen den Löhnen der ArbeiterInnen in Ost und West immer noch bei 16,9 Prozent. Dies ergab eine aktuelle Umfrage mit fast 175.00 Datensätzen.

Zu den Lohnunterschieden kommt zudem in Ostdeutschland oftmals nicht gezahltes Urlaubs- und Weihnachtsgeld hinzu. Im Westen bekommen dies rund die Hälfte der ArbeiterInnen ausgezahlt, im Osten gilt dies nur für rund ein Drittel.

Was sich bereits in den Durchschnittswerten besonders krass anhört, lässt sich durch genauere Betrachtungen nochmals toppen. Sieht man sich das verfügbare pro Kopf-Einkommen der Haushalte in verschiedenen Regionen an, so haben die Menschen in einigen Landstrichen Süddeutschlands statistisch gesehen fast doppelt so viel Geld zur Verfügung wie in den ärmsten ostdeutschen Regionen.

So verwundert es nicht, dass von den einkommensreichsten Deutschen gerade einmal 5 Prozent in Ostdeutschland und 95 Prozent in Westdeutschland leben. Gleichzeitig leben 39 Prozent der Einkommensarmen (die weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens bekommen) in Ostdeutschland, obwohl dort nur ein Fünftel der gesamten Bevölkerung Deutschlands wohnt.

Am geringsten sind die Lohnunterschiede da, wo es verbindliche Tarifverträge gibt. Hier gibt es nur einen durchschnittlichen Lohnunterschied 2,4 Prozent. Allerdings werden in Ostdeutschland nur rund 45 Prozent der ArbeiterInnen nach einem Tarifvertrag bezahlt. In Westdeutschland sind es hingegen 56 Prozent.

Auch zwischen den einzelnen Bundesländern gibt es starke Unterschiede. So liegt der Lohnunterschied zwischen Ost und West im Berliner Umland nur bei 13,9 Prozent, wohingegen er sich in Sachsen bei 18,2 Prozent befindet. Gleichzeitig gibt es etwa im Ruhrgebiet eine ähnlich schlechte Einkommensstruktur wie in Ostdeutschland.


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