Der britische Nachrichtensender BBC schmückt sich immer wieder mit den Federn der Gleichberechtigung, bringt feministische Dokumentationen heraus und dokumentiert Widerstände von Frauen in anderen Ländern. Doch die Widerstände im eigenen Betrieb sollen besser versteckt bleiben, denn die BBC selbst bezahlt Frauen im Durchschnitt immer noch 7,6% weniger als männlichen Angestellten.

Immer wieder stehen Frauen, die sich für stärkere Rechte einsetzen, in der Kritik: zumindest in den westlichen Ländern hätten wir ja längst alles erreicht. Ein brisantes Gegenbeispiel dazu lieferte nun der britische Nachrichtensender BBC.

Bereits im Jahr 2017 hatten weibliche Angestellte angeprangert, dass die Sendeanstalt ihnen sehr viel weniger bezahlen würde als den männlichen Kollegen. Damals kam heraus, dass der durchschnittliche Unterschied zwischen den Löhnen beider Geschlechter 17% beträgt. Das hätte damit enden können, dass die BBC Frauen besser bezahlt. Doch es endete damit, dass einige männliche Spitzenverdiener auf einen Teil ihres Lohns verzichteten.

Das ist auf mehrere Arten problematisch: erstens hat die BBC keinerlei Konsequenz gespürt. Zweitens macht es weibliche Mitarbeiterinnen abhängig von der Gunst ihrer männlichen Kollegen, statt sie gleich zu stellen, werden sie noch ein weiteres Mal untergeordnet.

Nach diesem Vorfall gelobte der Sender Besserung und brachte nun neue Zahlen heraus, die den Fortschritt beim Thema Bezahlung dokumentieren sollen. Demnach beträgt der Gehaltsunterschied nun „nur“ noch 7,6%. Das zu bejubeln, ist aber eine Dreistigkeit: Natürlich sind es fast 10% weniger Differenz als vor zwei Jahren, das könnte bei anderen Statistiken durchaus positiv bewertet werden. Die BBC jedoch ist einer der erfolgreichsten Sender der Welt. Für ihn wäre es ein Leichtes gewesen, den Gehaltsunterschied auf 0% zu reduzieren, also faktisch abzuschaffen. Hinzu kommt, dass die BBC eine öffentlich-rechtliche Anstalt ist, also staatlich, und sich damit in der Realität zeigt, wie wenig dem britischen Staat an der Gleichberechtigung zu liegen scheint.

Eine Moderatorin des Senders sah das ähnlich, sie klagte und verlangte 750.000 Euro. Das soll die Differenz zum Gehalt eines Kollegen ausgleichen, der ein ähnliches Format moderiert. Der BBC versuchte, sich damit heraus zu reden, dass sie nur ein Nischenprogramm moderiere, obwohl allseits bekannt ist, dass das nicht weniger Arbeit bedeutet. Im Zuge der Klage kam außerdem eine Liste von 117 weiblichen Angestellten ans Licht, die bereits 2017 die Ungleichheit im Sender kritisiert hatten.

Hierbei ist vor allem erschreckend, dass davon auszugehen ist, dass die Lohnungleichheit vor allem in den sichtbaren Jobs reduziert werden wird – also bei den ModeratorInnen. Das ist zwar ein Anfang, dabei bleiben jedoch die vielen Jobs auf der Strecke, die aus der BBC ausgelagert werden, in der Realität jedoch trotzdem dort stattfinden. Beispielsweise werden Putzkräfte in der Berechnung gar nicht erst erfasst.

Nun darf man diesen Vorfall keinesfalls auf Großbritannien reduzieren, die anderen westlichen Ländern stehen nicht viel besser da oder sogar schlechter. So forderte auch der Deutsche Journalisten Verband im Zuge des Vorfalls mehr Gleichberechtigung bei der Bezahlung: „Dass Journalistinnen gleiche Bezahlung fordern, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Auch in Deutschland, wo das Entgelttransparenzgesetz Klarheit schaffen soll – was es jedoch im Medienbereich nicht tut.“