„Exarchia“ gilt als das linke Viertel in Athen. Egal ob Studierende, Familien, MigrantInnen oder andere Strukturen – hier leben die Menschen meist solidarisch miteinander. Egal ob es die Buchtauschbörse um die Ecke ist oder ein Café, hier ist so gut wie jede/r willkommen – außer PolizistInnen und FaschistInnen. Doch genau das will der griechische Staat ändern.

Nach der linken Parlamentsregierung um Alexis Tsipras versucht nun der Konservativen-Chef Kyrriakos Mitsotakis mit aller Härte diesen Zustand zu verändern und schickt immer mehr PolizistInnen in das Viertel. Hauptaugenmerk lag dabei auf letztem Sonntag, dem 17.11.2019. An diesem Tag gedachten zehntausende Menschen allein in Athen des Studentenaufstands von 1973 gegen die griechische Militärdiktatur. Die Universität Athens liegt direkt im Stadtviertel Exarchia. So kam es, dass mehr als 5.000 PolizistInnen in diesem Ortsbereich patrouillierten.

Doch die BewohnerInnen des Viertels wurden schon Tage davor massiv unter Druck gesetzt und teils schwer misshandelt. So kam es eine Woche davor zur Verhaftung eines politischen Aktivisten, der nackt gefoltert wurde. Ebenso werden in den letzten Wochen gehäuft Nachbarschaftsprojekte von den staatlichen Organen geräumt – der griechische Staat hat dem alternativen Viertel den Kampf angesagt.

Unserem Korrespondenten gegenüber berichteten BewohnerInnen von Exarchia, dass Nachbarinnen sich im Hungerstreik befänden, während die Polizisten die Projekte hermetisch abriegeln und solange Katzen und Hunde in Räumlichkeiten jagen und einsperren, bis die BewohnerInnen aufgeben.

Der Kampf um das Viertel wird weitergehen. Wenn die griechische Regierung ihren aggressiven Umstrukturierungskurs weiterhin aktiv umsetzt, ist früher oder später ein weiteres Viertel dem spekulativen Wohnungsmarkt ausgesetzt – ganz zu schweigen von der verlorenen Kultur, die dort das Leben bestimmte.