Mit dem staatlichen Ölkonzern Saudi Aramco bringt Saudi-Arabien heute den größten Börsenriesen in der Geschichte an den Start. Die Zahlen, die das Unternehmen begleiten, sind für uns nur schwer vorstellbar. Doch der Börsenstart wird getrübt.

25,6 Milliarden Dollar. Das ist das, was das Unternehmen sich erhofft, durch Investoren einzuspielen, und übertrifft somit den chinesischen Börsenriesen Alibaba. Der Börsenwert soll ebenfalls ein Kracher sein, so dass selbst die aktuellen Börsengiganten wie Apple und Microsoft in den Schatten gestellt werden.

Die größten Banken der Welt horchten auf, als 2016 das Projekt vom saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman angekündigt wurde. Die damaligen Zahlen von 100 Milliarden Dollar ließen einen Jahrhundert-Deal vermuten. Die westlichen Banken waren zu dem Zeitpunkt unter anderem bereit, über die Menschenrechtsverletzungen hinweg zu sehen und mitzuspielen.

An dieser Stelle müssen mehrere Fakten hinzugezogen werden: Das Unternehmen ist ein staatliches Unternehmen, das bisher keine nationale Konkurrenz hatte. Somit unterliegt es nun den Regeln des internationalen Börsenmarktes. Dennoch wirken die geopolitischen Machtspiele Saudi-Arabiens sich ebenfalls auf den Börsenriesen aus. In dieser Hinsicht war der Angriff auf den Jemen keine gute Idee für den Börsengang. Ebenso ließ der Mord an dem regierungskritischen Journalisten Jamal Kashoggi die Investitionsbereitschaft aus dem Westen sinken.

Es bleibt abzuwarten, ob sich die Träume des Kronprinzen erfüllen – im Falle des Misslingens könnten seine Untertanen den Aufstand proben. Zudem löst der Börsengang nicht das strukturelle Problem der saudischen Wirtschaft: Sie basiert allein auf dem Öl-Geschäft. Ein Umbau der Wirtschaft in Zeiten, in denen die Öl-Reserven knapper werden, ist für Saudi-Arabien und den Reichtum der dort herrschenden Eliten überlebensnotwendig.


Wir schreiben für Perspektive – ehrenamtlich und aus Überzeugung. Wir schalten keine Werbung und nehmen kein Geld von Staat oder Konzernen an. Hilf' uns dabei, unseren unabhängigen Journalismus zu erweitern: mit einer einmaligen Spende, einem regelmäßigen Beitrag bei Paypal, Steady oder am besten als Mitglied in unserem Förderverein.