Die rechte Gruppe „Steeler Jungs“ organisiert in Essen wöchentlich rechte Demonstrationen. Diese finden in der Vorweihnachtszeit vor allem entlang des Weihnachtsmarkts statt. Dort wird der Aufmarsch regelmäßig von Gegenprotesten aufgehalten, auch die Besucher zeigen wenig Begeisterung über die Anwesenheit der Rechten. Doch die Polizei setzt die Aufzüge durch – auch mit Gewalt.

Am Weihnachtsmarkt in Essen-Steele gibt es eigentlich nichts Außergewöhnliches – mit einem Kinderkarussell, Glühweinständen und Weihnachtsdekoration sieht er aus wie hunderte andere Weihnachtsmärkte in Deutschland auch. Die Besonderheit ist, dass dieser Weihnachtsmarkt jeden Donnerstag unangenehmen Besuch bekommt und zwar von der rechten Gruppe „Steeler Jungs“, die sich im gleichnamigen Stadtteil organisiert.

Diese Besuche werden regelmäßig von Gegenprotesten gestört. Beim letzten Aufmarsch der „Steeler Jungs“ am Donnerstag, den 19. Dezember, wurden die Gegenproteste jedoch bereits im Vorhinein von der Polizei erschwert. Diese teilte den GegendemonstrantInnen mit, dass sie ihre Kundgebung nicht am Rande von der Route der rechten Kundgebung halten dürften. Dieser Entscheidung wurde in einem Eilverfahren durch das Essener Verwaltungsgericht statt gegeben.

Rechten entgegenstellen, da wo sie sind

Die OrganisatorInnen des Gegenprotests kommunizierten daraufhin offen, dass sie die Örtlichkeit, die ihnen als Alternative angeboten wurde, nicht annehmen. Sie liege weit ab von der Route der „Steeler Jungs“, und so sei kein aktiver Gegenprotest möglich. Einige TeilnehmerInnen trafen sich daraufhin auf eigene Faust am ursprünglichen geplanten Kundgebungsort, um dort gegen den rechten Aufmarsch zu protestieren.

Diese spontane Versammlung wurde von der Polizei aufgelöst, und die Teilnehmenden wurden teils gewaltsam zur Seite gedrängt. Einige Quellen berichten, dass dabei mindestens ein junger Mann zu Boden geschlagen und dadurch stark verletzt wurde. Das „Internationalistische Bündnis Essen“ schreibt in seiner Presserklärung: „Polizei prügelt den faschistischen ‚Steeler Jungs‘ die Straße frei.“

In dieser Erklärung kritisierten sie erneut das Vorgehen der Polizei, die Aufmärsche der Rechten überhaupt stattfinden zu lassen. Dies bereite Angriffen auf linke Aktivisten, aber auch rassistisch motivierten Gewalttaten den Boden.

Doch nicht nur die Menschen, die sich zum aktiven Gegenprotest auf der Straße versammelten, scheint die Anwesenheit der Faschisten auf dem Weihnachtsmarkt und im Viertel zu stören. Auch PassantInnen und BesucherInnen des Weihnachtsmarkts sind wenig begeistert von der Anwesenheit der Rechten. Eine Passantin äußerte sich laut Pressemitteilung dazu wie folgt: „So was hatten wir doch schon mal, dass Faschisten versuchen, sich in Stadtteilen breit zu machen – wir wollen die aber hier nicht“.

Wer verbirgt sich hinter den Steeler Jungs?

Die rechte Gruppe Steeler Jungs organisiert sich passend zu ihrem Namen im Essener Stadtteil Steele. Seit nun mehreren Monaten veranstalten sie jeden Donnerstag Aufzüge durch den Stadtteil, bei denen sie sich als unpolitische Bürgerwehr geben. Dabei scheint es sich jedoch um eine Gruppe zu handeln, die versucht, unter dem Banner der „Besorgtheit“ ihre faschistische Weltanschauung auf die Straßen zu tragen. Beispielsweise wurde auf einer ihrer Demonstrationen in diesem Jahr ein Hitlergruß gezeigt – eine Geste, die den anderen Anwesenden nichts auszumachen schien.

Teilnehmende, die sich an Gegenprotesten beteiligen, berichten immer wieder von Bedrohungen und Übergriffen von Seiten der Steeler Jungs. Das „Essen stellt sich quer“-Bündnis bestätigt, dass es entlang der Demonstrationsroute der Steeler Jungs immer wieder Drohungen gegen Linke kommt, unter anderem mit Parolen wie „Linke und Grüne töten“ und direkt daneben – im selben Schriftzug – „AFD“ und „Steeler Jungs“.

Hetze im Netz

Nicht nur auf der Straße zeigen die Steeler Jungs ihre politische Gesinnung, sondern auch im Internet. Im August 2018 schrieb Frank F., ein Mitglied der Steeler Jungs: „Egal wo in Deutschland, in welcher Stadt oder auf welchem Dorf. Mach’s wie wir, gruppiert euch. Schaut nicht mehr weg. Macht von eurer Recht der Selbsthilfe gebraucht akzeptiert keine Gesetze mehr die das Volk Knechten und gegen unser Grundrecht verstoßen. Dazu zähle ich alle Gesetze Beschlüsse etc. pp, welche keinen Schaden mehr vom deutschen Volk abwenden.(…)“.

In diesem Post erwähnt Frank F. auch den „Tag X“. Dieser wird von vielen Rechten als zukünftiger Tag der faschistischen Machtübernahme propagiert.