Die Geschichte schreiben in der Regel Männer über Männer. Als angehender Historiker habe ich die Aufgabe, das zu ändern: Bis zum Frauenkampftag am 8. März möchte ich meinen wöchentlichen Beitrag auf Perspektive Online dazu nutzen. Die geschilderten Frauen sind durch ihr Lebenswerk in die Geschichte eingegangen, werden im historischen Gedächtnis aber gern vergessen, verschwiegen oder ihre Taten klein geredet. – „Frauen der Weltgeschichte“, eine Serie von Felix Thal

Da bis heute Geschichte hauptsächlich von Männern für Männer geschrieben wird und Frauen oft nur eine Nebenrolle zugesprochen wird, entstehen blinde Flecken in der Geschichte.

Über die Befreiung von Menschen aus der Sklaverei durch Harriet Tubman, zum Kampf für das Frauenwahlrecht in England durch die Feministinnen Millicent Fawcett und Emmeline Pankhurst bis hin zu den Sozialistinnen Clara Zetkin und Rosa Luxemburg – diese kleine Serie möchte Frauen vorstellen, die sich zu Lebzeiten für eine gerechtere und solidarischere Gesellschaft eingesetzt haben.

Elizabeth Cady Stanton und Lucretia Mott

Für die US-amerikanische Frauenrechtsbewegung nehmen Elizabeth Cady Stanton (1815-1902) und Lucretia Mott (1793-1880) eine ganz besondere Rolle ein, da sie mit der Decleration of Sentiments die erste Versammlung der Frauenbewegung in den USA ins Leben gerufen haben. Stanton und Mott gehörten beide dem sogenannten Abolitionismus an, einer Bewegung, die sich für Menschenrechte einsetzte. Sie waren gegen die Sklaverei, Tierquälerei, Gefängnisstrafen, Prostitution und Frauenunterdrückung.

Kennen gelernt haben sich die beiden Feministinnen 1840 in England. Stanton befand sich zu diesem Zeitpunkt auf ihrer Hochzeitsreise und besuchte die World Anti-Slavery Convention in London. Da die Delegation aus den USA mit Männern und Frauen anreiste, kam es unter den männlichen Delegierten der Konferenz zu einem Eklat: Frauen sollte es nicht gestattet sein, an den Unterredungen teilzunehmen. Nach einer langen Debatte wurde es den Amerikanerinnen gestattet, hinter einem Vorhang Platz zu nehmen und still zuzuhören. Diese Ungerechtigkeit wollten Stanton und Mott nicht hinnehmen.

Seneca Falls Convention

Acht Jahre später bot sich ihnen die Gelegenheit: In dem kleinen Ort Seneca Falls im Bundesstaat New York organisierten sie am 19. und 20. Juli 1848 eine Abolitionistinnen-Konferenz, bei der die berühmte Decleration of Sentiments präsentiert wurde.

Stanton verfasste das Manifest zur Gleichberechtigung in Anlehnung an die amerikanische Unabhängigkeitserklärung von 1776. Darin schrieb sie, dass Mädchen ein Recht auf Bildung haben, Frauen über ihr Einkommen selbst verfügen sollen, ein Wahlrecht haben und auch das Recht besitzen müssen, sich scheiden zu lassen.

Das Manifest wurde vorgelegt, zur Diskussion gestellt und am letzten Tag herausgegeben. Rund einhundert Frauen und Männer unterschrieben die Erklärung.

Lucretia Mott, die auch als Rednerin auf der Konferenz auftrat, sah das Treffen als einen Meilenstein auf dem Weg zur Gleichstellung von Männern und Frauen an. Elizabeth Cady Stanton starb im Alter von 86 Jahren. 18 Jahre nach ihrem Tod wurde 1920 das allgemeine Wahlrecht für Frauen in den Vereinigten Staaten auf nationaler Ebene eingeführt.

In Teil 2 der Serie „Frauen der Weltgeschichte“ geht es um die afroamerikanische Fluchthelferin Harriet Tubman und die Underground Railroad.