Fette Katze? Nicht gemerkt, was heute um 10:39 passiert ist? Der vierte Arbeitstag ist in Deutschland der „Fat Cat Day“. In diesem Moment hat ein DAX-Vorstand das verdient, was ein/e durchschnittlich/e ArbeiterIn im ganzen Jahr erhält. Ein Volkswagenvorstand erhält zum Beispiel das 97-fache eines durchschnittlichen Gehalts in Deutschland.

Jedes Jahr ruft das britische „High Pay Center“ (HPC) den „Fat Cat Day“ aus. Auf deutsch ist es der „Fette-Katze-Tag“. Die unabhängige „Denkfabrik“ HPC rief diesen Tag ins Leben, um gegen absurd hohe Vorstandsvergütungen zu kämpfen. In Großbritannien, wo dieser besondere Feiertag seinen Ursprung hat, liegt er noch früher als in Deutschland: Bereits gestern Abend hätten die Topmanager schon ein durchschnittliches Jahresgehalt eingestrichen.

Das ergibt sich aus dem Stundenlohn der Vorstandsvorsitzenden der 100 größten börsennotierten Unternehmen. Im Jahr 2018 hätten sie pro Stunde 1.059 Euro erhalten, nach Stunden werden sie aber natürlich nicht bezahlt. In Deutschland berechnete die WELT den Fat Cat Day ganz analog: Die Chefs der 80 größten börsennotierten Unternehmen würden einen Stundenlohn von 901 Euro erhalten.

Bei einem ausgezahlten durchschnittlichen Jahresgehalt von 36.085 Euro könnten die ManagerInnen also nach 39 Stunden und 39 Minuten Feierabend machen. Bei zwei 12-Stunden-Tagen wäre das heute um 10:39 Uhr gewesen. Wichtig ist dabei anzumerken, dass es ’nur‘ um die Jahresgehälter geht. Für ManagerInnen der Topebene werden diese oftmals durch Boni ergänzt, die das durchschnittliche Jahresgehalt unter Umständen um ein Weites übersteigen.

Volkswagen gewinnt das Fat Cat-Rennen

Die vergleichsweise fetteste Katze in Deutschland ist Volkswagen. Ein VW-Vorstand erhält – allein das Gehalt betrachtet – das 97-fache der „durchschnittlichen Personalaufwendungen pro MitarbeiterIn“. Darauf folgen dicht Fresenius, Heidelberg Cement, Fresenius Medical Care und Adidas. Durchschnittliche Personalaufwendung bedeutet dabei, dass auch die hohen ManagerInnengehälter zählen, solange es nicht die höchsten Gehälter sind. Es ist also davon auszugehen, dass viele Löhne noch geringer sind als die „durchschnittlichen Aufwendungen“.

Ausgerechnet AktionärInnen sollen die Gehälter begrenzen

Aktuell steht der deutsche Staat vor der Aufgabe, die zweite EU-Aktionärsrichtlinie umzusetzen. Die AktionärInnen sollen dann entscheiden können, was ein zu hohes Gehalt für die Top-Führungskräfte eines jeweiligen Unternehmens ist. Transparenz, was genau ein Unternehmen der Arbeiterschaft oder dem Management zahlt, wird es auch dann nicht geben. Ab 2022 muss aus dem Jahresbericht lediglich hervorgehen, wie viel mehr ManagerInnen verdienen als eine freiwillig gewählte Vergleichsgruppe der Belegschaft.


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