In der irakischen Hauptstadt Bagdad hat das neue Jahrzehnt mit heftigen Protesten an der US-amerikanischen Botschaft begonnen. In der Silvesternacht griffen Presseberichten zufolge tausende Anhänger der dem Iran nahe stehenden Miliz Hashd al-Shaabi die US-Botschaft an. Zuvor hatten die US-Streitkräfte Stellungen der Miliz im Irak und Syrien bombardiert und dabei mindestens 25 Menschen getötet und viele weitere verletzt.

Die DemonstrantInnen erreichten das größte Botschaftsgelände der USA weltweit, indem sie in Massen die umliegenden Checkpoints passierten. Nach Berichten der Nachrichtenagentur Al-Jazeera hatten die diensthabenden Soldaten keine klaren Anweisungen, sie mit Gewalt aufzuhalten. Vor der Botschaft riefen die Protestierenden gegen die USA gerichtete Parolen und forderten unter anderem den Abzug der US-Truppen aus dem Irak.

Sie warfen Steine, zündeten Wachhäuschen an und drangen massenhaft auf das Gelände der Botschaft vor. Die Sicherheitskräfte der Botschaft antworteten mit Tränengasbeschuss. Das US-Militär setzte auch Hubschrauber zum Schutz der Botschaft ein. Nach Medienberichten vom 1. Januar ist jedoch kein Angehöriger der Botschaft verletzt worden.

In mitgebrachten Zelten übernachteten die Protestierenden in und vor der Botschaft. Im Laufe des Neujahrstags zogen sich die DemonstrantInnen – offenbar auf Aufforderung der Hashd-Miliz – zurück und bauten ein Protestcamp in der Nähe der Botschaft, aber am anderen Ufer des Flusses Tigris auf. Auch Vertreter der irakischen Regierung hatten sie mehrmals zum Verlassen der Botschaft aufgefordert.

Die USA beschuldigten den Iran. hinter dem Angriff auf die Botschaft zu stehen. Donald Trump drohte ihm auf Twitter in seinem einzigartigen Stil:„… Wir werden den Iran für alle Todesfälle oder Schäden in irgendeiner unserer Einrichtungen zur Rechenschaft ziehen. Sie werden einen hohen Preis zahlen! Das ist keine Warnung. Das ist eine Drohung. Frohes Neues Jahr!“

Tatsächlich ringen der Iran und die USA seit Jahren um Einfluss auf den Irak und seine Regierung. Die USA haben seit dem Irakkrieg 2003 fast ununterbrochen Teile ihrer Armee im Irak stationiert und werden von einem Großteil der Bevölkerung als Besatzer betrachtet. Der Krieg und die folgenden Konflikte haben verschiedenen Schätzungen zufolge bis heute 600.000 bis 1,4 Millionen Tote gefordert.