Verschiedene Guerillagruppen haben vom 14.-17. Februar zu einem 72-stündigen bewaffneten Streik in Kolumbien aufgerufen. Der Streik legte ganze Teile des Landes lahm.

Seit Jahrzehnten bestehen in Kolumbien zahlreiche bewaffnete revolutionäre Guerillagruppen, die gegen die in dem Land herrschende Korruption, den Machtmissbrauch und die faschistischen Todesschwadronen kämpfen. Nachdem durch verschiedene Friedensprozesse ein Teil der bewaffneten Guerillagruppen – allen voran die FARC-EP (Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens – Volksarmee) – in den vergangenen Jahren durch den kolumbianischen Staat entwaffnet wurden, kam es nun in verschiedenen Teilen des Landes zu einer bewaffneten Offensive verschiedener Guerillagruppen.

Bereits am 10. Februar veröffentlichte die ELN (Nationale Befreiungsarmee) ein im Internet verbreitetes Video mit dem Aufruf zu einem 72-Stündigen bewaffneten Streik. In dem Zeitraum wurde die Bevölkerung aufgefordert, in ihren Häusern zu bleiben. Öffentliche Veranstaltungen und die Benutzung der Straßen wie auch die Öffnung von Geschäften seien in diesem Zeitraum untersagt.

Neben der ELN beteiligten sich auch wiederbewaffnete Einheiten der FARC-EP und die lokale Guerilla EPL (Volksbefreiungsarmee) an dem bewaffneten Streik. Nach der Entwaffnung der FARC-EP war die ELN mit rund 5.000 KämpferInnen zur stärksten Guerilla in Kolumbien geworden.

Laut Pressebrichten legte der Streik vor allem die südlichen Landesteile sowie die Regionen Santander, Norte de Santander, Cesar und Arauca im Nordosten des Landes lahm. Nur vereinzelt soll es zu Auseinandersetzungen zwischen dem Militär und Polizeieinheiten und den Guerillagruppen gekommen sein.

Verschiedene zivilgesellschaftliche Gruppen wie die „Vereinigung der Indigenen Autoritäten des nördlichen Cauca“ (ACIN) hatten vorher den Streik verurteilt, da er zu weiteren bewaffneten Auseinandersetzungen führen könnte. Ein ELN-Kommandant antwortete darauf, dass diese Auseinandersetzungen nie vorbei waren und es keine ernsthaften Friedensbemühungen der Regierung gäbe. Allein im Jahr 2019 wurden mindestens 107 soziale AktivistInnen und ehemalige GuerillakämpferInnen in Kolumbien ermordet.


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