Dass jungen Mädchen das Recht auf Bildung in vielen Ländern dieser Welt verwehrt wird, ist keine Seltenheit. Der Kampf um die Möglichkeit zur Schule gehen zu dürfen, kann mitunter lebensgefährlich sein. Malala Yousafzai hat sich dafür eingesetzt. Dies ist ihre Geschichte. – Ein Kommentar von Felix Thal*

Malala Yousafzai wurde am 12. Juli 1997 in der Stadt Mingora im Swat-Tal im Norden von Pakistan geboren. Ihr Vater Ziauddin Yousafzai ist Lehrer, Dichter und politischer Aktivist für die Bildungsrechte von Mädchen. Er hat schon früh darauf bestanden, dass seine Tochter die Möglichkeit haben sollte, zur Schule gehen zu können.

Im Jahre 2007 rückten Gruppierungen der Taliban in das Swat-Tal ein und übernahmen die Kontrolle über die gesellschaftlichen Strukturen. Ab diesem Zeitpunkt war es Mädchen verboten, reguläre Schulen zu besuchen. Mädchenschulen in der Umgebung wurden zerstört und niedergebrannt.

Bloggen über Unterdrückung

Malala begann über den neuen Alltag in ihrer Heimatstadt zu schreiben und einen Blog zu verfassen. In ihrem Tagebuch schrieb sie über die Zustände in Mingora, kritisierte die Herrschaft der Taliban und verteidigte das Recht auf allgemeine Schulbildung für Mädchen.

Ihr Blog wurde anonym auf der Seite der BBC veröffentlicht, und Malalas Texte erhielten weltweite Aufmerksamkeit. Auch nachdem die Taliban ihren Blog entdeckten, hörte Malala nicht auf zu schreiben.

Schuss ins Auge

Im Oktober 2012 kam sie von einer Mädchenschule außerhalb ihres Bezirkes zurück nach Hause. Der Bus, mit dem sie fuhr, wurde von bewaffneten Einheiten der Taliban gestoppt und gestürmt.

Als sie Malala entdeckten, schoss einer der Angreifer ihr ins linke Auge. Neben der schwerverletzten Malala wurden auch weitere Mädchen verwundet. Nach einigen Tagen Krankenhausaufenthalts wurde sie nach Islamabad verlegt und später nach Großbritannien ausgeflogen. In Birmingham erhielt sie die lebensrettende Notoperation.

Recht von Kindern auf Bildung

Ihr Aufenthalt in England und ihr Engagement für Bildung verschafften ihr weitere mediale Aufmerksamkeit. Sie erhielt eine Aufenthaltserlaubnis und konnte ab Januar 2013 eine Schule in Birmingham besuchen.

Zu ihrem 16. Geburtstag bekam sie die Möglichkeit, vor der UNO eine Rede über das Recht von Kindern auf Bildung zu halten. Am 10. Oktober 2014 erhielt sie den Friedensnobelpreis und war damit die bis dahin jüngste Kandidatin dieser Auszeichnung. Malala wurde zusätzlich vom Time Magazin zu den 100 einflussreichsten Personen der Welt gewählt und erhielt noch zahlreiche weitere Ehrungen und Preise.

Bis heute ist Malala Yousafzai politisch aktiv und setzt sich für die Rechte von Geflüchteten und Unterdrückten ein.

*Die Geschichte schreiben in der Regel Männer über Männer. Als angehender Historiker habe ich die Aufgabe, das zu ändern: Bis zum Frauenkampftag am 8. März möchte ich meinen wöchentlichen Beitrag auf Perspektive Online dazu nutzen. Die geschilderten Frauen sind durch ihr Lebenswerk in die Geschichte eingegangen, werden im historischen Gedächtnis aber gern vergessen, verschwiegen oder ihre Taten klein geredet. Von der Befreiung von Menschen aus der Sklaverei durch Harriet Tubman, über den Kampf für das Frauenwahlrecht in England durch die Feministinnen Millicent Fawcett und Emmeline Pankhurst bis hin zu den Sozialistinnen Clara Zetkin und Rosa Luxemburg – diese kleine Serie möchte Frauen vorstellen, die sich zu Lebzeiten für eine gerechtere und solidarischere Gesellschaft eingesetzt haben.


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