Über die Befreiung von Menschen aus der Sklaverei durch Harriet Tubman, zum Kampf für das Frauenwahlrecht in England durch die Feministinnen Millicent Fawcett und Emmeline Pankhurst bis hin zu den Sozialistinnen Clara Zetkin und Rosa Luxemburg – diese kleine Serie möchte Frauen vorstellen, die sich zu Lebzeiten für eine gerechtere und solidarischere Gesellschaft eingesetzt haben. Dieses Mal geht es um die Iranerin Tahiri – „Frauen der Weltgeschichte“, eine Serie von Felix Thal*

Eine der ersten Märtyrerinnen der Frauenbewegung ist die Iranerin Fatima Baraghani, genannt Tahiri. Sie ist zwischen 1814 und 1817 im heutigen Iran geboren und wuchs in einer angesehenen Familie auf. Ihr Vater bekleidete das Amt des Mullahs. Obwohl Frauen nicht den Zugang zu Bildung genießen konnten, hatte Tahiri die Möglichkeit, den Unterricht ihres Vaters heimlich zu verfolgen. Mit vierzehn Jahren wurde sie an einen ihrer Cousins verheiratet und bekam mit ihm zwei Söhne und eine Tochter.

Sie war intelligent und wissbegierig und konvertierte später – zum Missfallen ihrer Familie – zum Babismus. Der Babismus, eine religiöse Gemeinschaft im schiitischen Islam, sieht Frauen und Männer als gleichwertig an. Ihr Ehemann verbot ihr im Verlauf ihres religiösen Engagements den Umgang mit ihren drei Kindern. Trotz eines öffentlichen Redeverbots für Frauen scharte sie eine Anhängerschaft um sich und rief zur Gleichberechtigung der Frauen auf.

Während einer Versammlung führender Anhänger des Babismus soll sich Tahiri unverschleiert gezeigt haben, was unter den Anwesenden keine Solidarität hervorrief. Unter anderem dieser Vorfall führte zu ihrer Verhaftung und sie wurde mehrere Jahre in Teheran unter Hausarrest gestellt. Nachdem Anhänger des Babismus versucht hatten, den Schah zu ermorden, wurde auch Tahiri zum Tode verurteilt. Im Jahre 1852 wurde sie mit ihrem eigenen Kopftuch erdrosselt und in einen Brunnen geworfen.

Das allgemeine Frauenwahlrecht wurde im Iran im Jahre 1963 eingeführt.

In Teil 5 der Serie „Frauen der Weltgeschichte“ wird es um die Sozialistinnen Clara Zetkin und Rosa Luxemburg gehen.

*Da bis heute Geschichte hauptsächlich von Männern für Männer geschrieben wird und Frauen oft nur eine Nebenrolle zugesprochen wird, entstehen blinde Flecken in der Geschichte.

Die Geschichte schreiben in der Regel Männer über Männer. Als angehender Historiker habe ich die Aufgabe, das zu ändern: Bis zum Frauenkampftag am 8. März möchte ich meinen wöchentlichen Beitrag auf Perspektive Online dazu nutzen. Die geschilderten Frauen sind durch ihr Lebenswerk in die Geschichte eingegangen, werden im historischen Gedächtnis aber gern vergessen, verschwiegen oder ihre Taten klein geredet. – „Frauen der Weltgeschichte“, eine Serie von Felix Thal


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Felix Thal
Schreibt für die Belange vom Geflüchteten und gegen die AfD. Solidarität stellt sich nicht von selbst her, sie muss organisiert werden.