Eine neue Studie zeigt, dass deutlich mehr Menschen als bisher angenommen um den Mindestlohn betrogen werden. Neue Studien gehen für das Jahr 2018 von 3,8 Millionen Betroffenen aus. Forderungen nach spürbarer Erhöhung des Mindestlohns.

Eine neue Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) geht davon aus, dass weit mehr Menschen als bisher gedacht nicht den gesetzlich festgeschriebenen Mindestlohn bekommen.

Die Wirtschaftsforscher des Berliner Instituts errechneten aus den Daten des jährlich erhobenen Sozioökonomischen Panels (SOEP) für das Jahr 2018, dass mindestens 3,8 Millionen Menschen in Deutschland aufgrund ihrer Arbeitszeit und ihres Monatslohns zum Teil weit unter dem gesetzlichen Mindestlohn von damals 8,84 Euro brutto pro Stunde verdienten.

Von den 3,8 Millionen Betroffenen ergibt sich allein bei 2,4 Millionen eine Unterschreitung des Mindestlohns schon aufgrund der monatlich vereinbarten Stundenanzahl und dem Monatsgehalt. Hinzu kommen 1,4 Millionen Menschen, die deutlich mehr als die vereinbarten Stunden pro Monat arbeiteten und dadurch einen Stundenlohn ausgezahlt bekamen, der unterhalb des Mindestlohns lag.

Forderung nach deutlicher Erhöhung des Mindestlohns

Zwar steigt der gesetzliche Mindestlohn jedes Jahr um einen geringen Betrag, der meist gerade einmal die Inflationsrate ausgleicht, dies bedeutet aber – wie die obigen Zahlen zeigen – noch lange nicht, dass dieser auch eingehalten und ausgezahlt wird.

Zahlreiche Initiativen, Gewerkschaften und ein Teil der bürgerlichen Parteien fordern schon lange einen deutlich höheren Mindestlohn von rund 12 Euro pro Stunde. VertreterInnen aus Politik, Regierung und Wirtschaft tun unterdessen alles dafür, zu beteuern, dass dies unrealistisch und nicht umsetzbar sei.

Mit dem höheren Mindestlohn soll den Menschen im Niedriglohnbereich ein besseres Leben ermöglicht und auch das bisherige automatische Abgleiten in die Altersarmut gestoppt werden. Mit den bisherigen Löhnen ist es bei längerem Bezug vom Mindestlohn quasi nicht möglich, aus der Falle der Altersarmut zu entkommen.


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