Am Dienstangabend tauchte auf Twitter ein kurzes Video des Soul-Sängers Xavier Naidoo auf Twitter auf. Darin besingt er rechte Verschwörungstheorien.

Der kurze Videoclip des Sängers und DSDS-Jurors Xavier Naidoo sorgte nach seinem Erscheinen für großes Aufsehen. Am Montagabend tauchte das 55 Sekunden lange Video erstmals auf der Plattform Facebook auf. Darin besingt Naidoo vor allem die Gefahren, die seiner Meinung nach von MigrantInnen und Geflüchteten ausgehen und positioniert sich klar rechts.

Das Video erregte am Montagabend kaum Aufsehen und wurde erst am Dienstagabend wirklich bekannt. Zu diesem Zeitpunkt wurde es vor allem von Umfeld der AfD verbreitet und geteilt. Einer der Ersten, die das Video neu hochluden, war der AfD-Bundestagsabgeordnete Stephan Protschka.

Wann das Video aufgenommen wurde, ist unklar, doch der Sänger hat sich scheinbar selbst mit gefilmt. „Ihr seid verloren“, so beginnt Naidoo das kurze Lied. Und es geht weiter mit Sätzen wie: „Eure Töchter, eure Kinder sollen leiden. Sollen sich mit Wölfen in der Sporthalle umkleiden. Und ihr steht seelenruhig neben dran. Schaut euch das Schauspiel an, das euch alle beenden kann“. Immer heftiger wird das Lied, am Höhepunkt spricht er von „Gästen“, die fast jeden Tag einem „Gastgeber“ das Leben nehmen. Um schließlich zur Verteidigung „seiner Leute“ aufzurufen.

Jeder hat was zu sagen – nur Naidoo nicht?

Viele bekannte Persönlichkeiten wie der ARD-Journalist Georg Restle oder Jan Böhmermann haben bereits ihr Entsetzen über das Video bekundet. Restle äußerte sich auf Twitter wie folgt: „Keine Bühne für Rassisten und geistige Brandstifter. Erst recht nicht nach Hanau, Halle, Kassel!“. Der Einzige, der sich bislang noch nicht zu dem aktuellen Vorfall geäußert hat, ist der Sänger selbst. Eine Anfrage der Nachrichtenagentur dpa ließ er unbeantwortet.

Konsequenzen für den Sänger?

Der Sender RTL, für den Naidoo grade in der Jury der Castingshow DSDS sitzt, gab nur ein kurzes Statement ab. Man distanziere sich von jeglicher Form von Rassismus, sei ebenfalls irritiert vom Inhalt des Videos und fordere den Sänger zu einer Erklärung auf, schrieb der Sender in einem Post auf Twitter. Dabei ist jedoch noch nicht von einer Konsequenz oder gar Entlassung die Rede.

Die Grundeinstellung Naidoos dürfte RTL bereits vor der Einstellung als Juror bekannt gewesen sein. Schließlich belegt das Video nicht das erste Mal, dass der Soul-Sänger rassistische Ansichten nach außen trägt. Seit 1999 gibt es immer wieder Vorwürfe gegen Xavier Naidoo, die von Antisemitismus bis ins Spektrum des Reichsbürgertums reichen. 2011 beispielsweise nannte der Sänger Deutschland ein „besetzes Land“. Im November 2015 zog der NDR die Nominierung des Sängers für den Eurovision Song-Contest aufgrund der heftigen öffentlichen Kritik zurück. Und 2017 warf ihm eine Referentin der „Amadeu-Antonio-Stiftung“ vor, Antisemit zu sein. Dabei bezog sie sich insbesondere auf einige seiner Songtexte.

Bereits ein neuer Skandal?

Während es noch Kritik für diesen Clip des Sängers hagelt, ist bereits ein neues Video im Internet aufgetaucht. In einer Telegram-Gruppe veröffentlichte ein Nutzer namens Xavier N. ein weiteres Video des Sängers. Ob es sich bei der Person auf Telegram um den echten Sänger handelt, ist noch unklar. Das Video scheint jedoch wie das erste auch selbst gefilmt zu sein.

N. richtet sich mit ihm an Menschen mit „Wir sind mehr“-Plakaten und den Worten: „Doch in Wahrheit seid Ihr einfach nur peinlich und deutschlandfeindlich, denn Ihr seid leer.“. In dem Chat kündigte Xavier N. außerdem an, die Zeilen seien ein Songausschnitt aus seinem neuen Album „Hin und weg 2“. Dieses Album werde „heftig“ und „sehr patriotisch“.

 


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