In Italien und Spanien mehren sich schon seit Wochen die Streiks und Aktionen von ArbeiterInnnen, die fordern, dass auch ihr Arbeitsplatz vorübergehend geschlossen wird. Normalerweise sind aus der ArbeiterInnenbewegung eher Kämpfe gegen Werksschließungen bekannt. Die Unternehmen scheinen jedoch – solange es irgendwie geht – die Produktion in ihren Werken aufrecht erhalten zu wollen.

Seit einigen Tagen jedoch mehren sich nun aber endlich auch die Meldungen, dass die großen Automobilkonzerne ihre Produktion in Europa und auch in Deutschland einstellen oder wenigstens stark runterfahren. Dazu gehören FIAT, PSA, OPEL, VW, Daimler, FORD und BMW.

Sind die Auto-Kapitalisten etwa zur Besinnung gekommen und auf die verständlichen Ängste der KollegInnen um ihre Gesundheit eingegangen? Schaut man sich die Situation in den Werken genauer an, stellt sich schnell heraus, dass das nicht der Fall ist. Viele Unternehmen waren sowieso schon vor den Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus auf Kurzarbeit umgestellt worden. Die Entwicklung wird nun nur konsequent zu Ende geführt. Entweder werden die ArbeiterInnen gleich auf Kurzarbeit gesetzt und müssen die entsprechenden Lohnbußen hinnehmen, während das Unternehmen keine Kosten mehr tragen muss, oder die zunächst als temporär angekündigten Werksschließungen gehen mit massiver Anrechnung von Minusstunden oder dem Vorziehen von Urlaubstagen einher.

Auch wenn es „seit dem Zweiten Weltkrieg keine Herausforderung mehr gab, bei der es so sehr auf unser gemeinsames solidarisches Handeln ankommt“ (Zitat Merkel): Die ArbeiterInnen kriegen nichts geschenkt. Hygienemaßnahmen sind ein willkommener Vorwand, um die Produktion vorübergehend auszusetzen, denn wie in jeder Wirtschaftskrise wird – ganz unabhängig von den Viren – eine massive Überproduktion sichtbar. Natürlich wollen die Unternehmer in dieser Situation vor allem sparen.

Bei Daimler sind offenbar viele KollegInnen nicht damit einverstanden. Auf dem Onlineportal „Rote Fahne“ wird von der aufgebrachten Stimmung aus der Belegschaft berichtet: „Da fehlt nur ein Funke, dann knallt es“.

So war es dort bereits zu einer kleinen spontanen Arbeitsniederlegung gekommen, weil die KollegInnen empört waren, nicht darüber aufgeklärt worden zu sein, dass einer ihrer Kollegen positiv auf Corona getestet worden war.

Bei BMW werden die Beschäftigten, deren Arbeitsplätze nun geschlossen werden, entweder gezwungen, ihre Überstunden abzufeiern oder müssen gehäufte Minusstunden in Kauf nehmen.

Andernorts passt die Schließung der Werke mit den ohnehin schon länger gefassten Plänen des Managements zusammen. In Hannover stellt nun „Sitech“ die Produktion ein. Es handelt sich um ein VW-Tochterunternehmen, das Sitze hergestellt hat. Das Aus dieses Standorts war schon vor dem Börsencrash in der letzten Woche geplant. Zuvor war es im Betrieb offenbar zu Auseinandersetzungen um ein von der Geschäftsführung geplantes Sparprogramm gekommen.

Im Kontrast zum Handeln der großen Autokonzerne mehren sich Stimmen, die zwar die Schließung von nicht unverzichtbaren Betrieben fordern, jedoch verbunden mit bezahltem Sonderurlaub.


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