Durch Ausgangssperren wird das soziale und politische Leben zum Erliegen gebracht. Gleichzeitig erleben wir massive Entlassungswellen, Insolvenzen und Kurzarbeit. Zudem sind noch immer die Mietzahlungen nicht unterbrochen oder Zwangsräumungen, Strom- und Wassersperrungen ausgesetzt. Wie können wir in Corona-Zeiten solidarisch sein und für unsere Forderungen kämpfen? Vier Vorschläge – von Tim Losowski.

1. Schafft Solidaritätsnetzwerke in euren Stadtteilen!

Es ist Zeit für konkrete Nachbarschaftshilfe. Besonders Menschen aus einer Risikogruppe (Ü65 und Vorerkrankungen) sind jetzt gefährdet. Sie benötigen Unterstützung. Auch bedarf es helfender Hände bei der Kinderbetreuung, da viele noch immer arbeiten gehen müssen.

Außerdem werden auch andere KollegInnen, die vielleicht in Quarantäne sein werden, in Zukunft Hilfe brauchen. Vielerorts haben sich dafür solidarische Netzwerke gebildet, ein Prozess, den Jede/r unterstützen kann.

Dabei gilt es darauf zu achten, dass eine zentrale Anlaufstelle zwar von Vorteil ist, viel Solidarität aber am besten schon im eigenen Wohnhaus stattfindet. Dabei ist der Aushang von Listen, in die sich jede/r Unterstützungswillige eintragen kann, zentral.

Es ist wahrscheinlicher, dass jemand Bedürftiges den/die NachbarIn von obendrüber um Hilfe fragt, als dass er/sie in eine Telegram-Gruppe schreibt. Wer helfen möchte, kann also auch Haushalte zur Selbstorganisation anregen, indem solche kopierten Aushänge einfach in die Wohnhäuser hinein gehängt werden. Neben diesen Listen sollten wir aber auch politische Forderungen unterbringen. Einen solchen Aushang kann man hier finden.

Zusätzlich sollten wir unsere Postulate in unserer näheren Umgebung bekannt machen: z.B. mit Transparenten, die wir aus unseren Fenstern hängen, mit Plakaten im Viertel oder Parolen an den Wänden.

Gepostet von Solidaritätsnetzwerk Köln am Dienstag, 17. März 2020

2. Betriebe womöglich bestreiken!

Der DGB zeigt derzeit leider in allen Bereichen, dass er nicht für uns da ist. So hat er gerade in der Metallindustrie eine Nullrunde mit der Kapital-Seite vereinbart, anstatt mit dem wichtigen Mittel Streik Verbesserungen für die Beschäftigten zu erkämpfen. Sogar der 1. Mai wurde vom DGB schon abgesagt.

Das bedeutet jedoch nicht, dass das Mittel Streik unbedeutend geworden wäre. In Italien arbeiten noch immer 8 von 23 Millionen ArbeiterInnen, fast ein Drittel. Ein absurdes Risiko für die ArbeiterInnen und die ganze Gesellschaft. Deshalb findet dort derzeit eine massive Streikwelle statt unter dem Motto „Wir sind kein Schlachtvieh. Auch wir wollen zuhause bleiben“. Auch in Deutschland gab es erste Arbeitsniederlegungen wie bei Daimler in Mettingen.

Für diejenigen, die noch arbeiten müssen, gilt es also – insbesondere den Großbetrieben –, mit den KollegInnen in diese Richtung zu diskutieren und beispielsweise spätestens dann, wenn ein Coronafall im Werk auftritt, auch tatsächlich unmittelbar in den Streik zu treten. Dabei muss die Forderung nach einem sofortigen Produktionsstopp mit der nach dem Zugeständnis von bezahltem Sonderurlaub verbunden werden. Das ist natürlich einfacher gesagt als getan. Doch es ist die richtige Richtung.

3. Applaus um 21 Uhr – für ein Danke, bessere Arbeitsbedingungen und Kontakt in eurem Viertel!

In Italien wurde es vorgemacht: Um 21 Uhr applaudieren dort die Menschen für all diejenigen ArbeiterInnen, die in den Krankenhäusern und Supermärkten weiter schuften. Diesen Dank haben sie verdient! Doch wir müssen das auch mit politischen Forderungen verbinden wie einer sofortigen Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Gesundheitssystem, mit Entprivatisierung und Gefahrenzulage!

Zudem ist die 21 Uhr-Aktion auch wichtig, um Kontakt aufzubauen und aufrecht zu erhalten. Denn es wird vielleicht der einzige Zeitpunkt sein, zu dem viele unserer NachbarInnen in Zukunft überhaupt noch rausgehen, aus ihren Fenstern oder Balkonen schauen. Hier können wir z.B. die Stille nach dem Klatschen nutzen, um solidarische Parolen oder Forderungen zu rufen oder gerne auch Diskussionen über Balkone hinweg zu beginnen.

Es ist auch der Zeitpunkt, der genutzt werden kann, in Zukunft die sich aufstauende Wut auf die Straßen zu bringen. Wieso nicht um 21:05 gemeinsam die Beine vertreten und einmal um den Block laufen? Natürlich unter Beachtung von 2 Metern Abstand untereinander!

4. Das Internet nutzen: Videos und Online-Protest!

In nächster Zeit werden immer mehr Menschen viel Zeit zu Hause verbringen. Das bedeutet: sie halten sich auch viel am Rechner und im Internet auf. Dies können wir nutzen, um andere auf unsere Probleme aufmerksam zu machen, mit ihnen in Kontakt zu treten, uns zu organisieren und uns gemeinsam zu informieren und zu bilden. Wir können Petitionen starten, Online-Flashmobs organisieren oder Live-Videos aufnehmen und ins Netz stellen.

Dies findet bereits massenhaft statt, zum Beispiel durch KünstlerInnen, Tanzschulen usw.. Doch auch politische Initiativen, wie z.B. das bundesweite „Solidaritätsnetzwerk“, nutzen die Online-Kommunikation, um uns gemeinsam und unbeschadet durch diese Zeit zu bringen.

+++LIVE-Input: 12 Forderungen, die sofort umgesetzt werden müssen++++++Diesen SONNTAG um 16 Uhr+++Vor einigen Tagen…

Gepostet von Solidaritätsnetzwerk am Freitag, 20. März 2020