Gerd bewirtschaftet seit 20 Jahren eine Kneipe. Er hat sie selbst gebaut und führt sie selbstständig – ohne MitarbeiterInnen. Das Bier ist preiswert und deswegen sehr beliebt. Außerdem finden häufiger Veranstaltungen wie Konzerte oder Lesungen statt. Gerd ist wirtschaftlich von Corona betroffen. Darum haben wir uns mit ihm getroffen und ihn interviewt.

Hallo Gerd*, wie bewertest du die aktuelle Situation mit deiner Kneipe zu Corona-Zeiten?

Also erst einmal muss ich meine Bierpreise um 10 Cent anheben, weil der Einkaufspreis teurer geworden ist. Das ist schon hart und kann mein Geschäft, das ich mir jahrelang aufgebaut habe, zerstören. Dazu muss man sich überlegen, dass der ÖPNV immer um 10 Cent teurer werden darf, ich aber bei so einer Preiserhöhung um meine Existenz bangen muss.

Du hast keine MitarbeiterInnen, was schon fast ein Alleinstellungsmerkmal ist. Siehst du das gerade positiv?

Ja, natürlich. Ich habe keine MitarbeiterInnen und das ist auch gut so. Ich müsste mich stets um sie kümmern. Ich wäre auch ein viel zu schlechter Chef, weil ich viel zu sozial zu meinen Angestellten wäre. Zurzeit bin ich über meine Entscheidung echt glücklich, andersrum würde ich sicherlich pleite gehen.

Die Regierung will mit Krediten den EinzelhändlerInnen unter die Arme greifen. Fällt da auch was auf dich ab, bzw. wirst du einen Kredit beantragen?

Nein, ich finde das unvorstellbar. Ich werde diese Fonds nicht antasten. Ich müsste mich bei den Behörden „nackig“ machen – mein ganzes Konto zeigen.

Du musst dir halt vorstellen, dass ich über die Jahre, mir als Kneipier, eine andere Art Konto gemacht habe. Da ist nicht jeder Cent einzeln beim Finanzamt abgerechnet. Wie soll das auch gehen? Ich bekomme Trinkgelder und manchmal kommen die Gäste mit einem offenen Bier zu mir. Wie soll ich die acht Cent Pfand abrechnen?

Die andere Sache ist, dass ich es für verschwendete Zeit halte, mich durch diesen ganzen anstehenden Bürokratie-Wahnsinn durchzuschlagen, oder denkst du, dass man da einfach hingeht und sagt: „Gebt mir mal 1.000 Euro, das müsste dann schon passen“.

Hast du einen Masterplan?

Ja, den habe ich. Ich muss aber vorsichtig sein, denn du musst wissen, dass Kneipiers nicht nur Freunde haben.

*Name geändert


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