Im niedersächsischen Celle ist es am Dienstagabend erneut zu einem vermutlich rassistisch motivierten Mordanschlag gekommen. Ein 29-Jähriger mit Kontakten zu Neonazis und Anhänger von verschiedenen antisemitischen Verschwörungstheorien wurde als Täter festgenommen.

Die Tat ereignete sich am Dienstagabend um 21.45 Uhr in der Nähe des Celler Bahnhofs. Laut den Angaben der Polizei soll der Täter sich in einem Hauseingang aufgehalten haben, bis sein Opfer mit einem Fahrrad in seine Nähe kam, und diesen dann unvermittelt mit einem Messer angegriffen haben.

Das Opfer, ein 15-jähriger, aus dem Irak stammender Jeside, verstarb wenige Zeit später im Krankenhaus. Der Täter wurde von ZeugInnen bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten. Am Mittwoch Nachmittag erließ der zuständige Haftrichter Untersuchungshaft wegen Totschlags gegen den Täter. Bisher hat dieser sich in keinerlei Hinsicht zur Tat und seinem Motiv geäußert.

Auch wenn der Täter zu seinen Motiven schweigt und Polizei und Staatsanwaltschaft laut einer gemeinsamen Pressemitteilung „in keiner Hinsicht Anhaltspunkte für eine ausländerfeindliche oder politisch motivierte Tat“ haben, deckte die ZEIT Kontakte des Täters zu verschiedenen Neonazis und seinen Hang zu antisemitischen und rassistischen Verschwörungstheorien auf.

Ihrem Bericht zufolge entdeckte sie drei Social-Media-Accounts des Täters Daniel S., die eindeutig auf eine rassistische Ideologie des Täters hinweisen. Die Polizei bestätigte, dass die Accounts tatsächlich dem Täter zuzurechnen seien.

Der Täter ist über seine Accounts mit verschiedene bekannten Neonazis befreundet und hat zahlreiche rechte und antisemitische Seiten abonniert, so die ZEIT. Unter diesen Seiten befänden sich verschiedene, welche die Inhalte der faschistischen Reichsbürgerbewegung und sogenannte antisemitische „QAnon“-Verschwörungstheorien („Q“ für die höchste Freigabestufe geheimer Informationen des US-Energieministeriums) und „Anon“ für „Anonymous“, dt: anonym“) verbreiten. Auch die Täter der faschistischen Anschläge von Hanau und Halle bezogen sich auf solche Verschwörungstheorien. Den Ermittlungsbehörden sollen diese Seiten und Verbindungen bisher nicht aufgefallen sein.


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