Die ganze Welt forscht nach Behandlungsmethoden und Impfmöglichkeiten gegen das Corona-Virus. Ausgerechnet US-Präsident Donald Trump will nun die Lösung gefunden haben und schlägt vor, Menschen Desinfektionsmittel zu spritzen. Nach einem internationalen Proteststurm erklärte er, es habe sich nur um Sarkasmus gehandelt. Doch es gibt bereits konkrete Auswirkungen.

In der Bekämpfung von Sars-CoV-2 (allgemein als Corona-Virus bekannt) schneiden die USA bisher am schlechtesten ab. Etwa bei 965.000 Menschen sind Coronavirus-Infektionen nachgewiesen worden, rund 55.000 Infizierte sind in den USA bereits an den Folgen der Covid-19-Erkrankung gestorben. Damit liegen die USA weit vor China und sogar weiter als der europäische Krisenherd in Italien mit rund 27.000 Toten.

Die medizinische Versorgung in den USA ist noch schlechter als in der Bundesrepublik. Gerade einmal 9,1% der Menschen waren 2015 auf irgendeine Art krankenversichert. Da die Behandlung gegen das Virus nun einmal Geld kostet (das die meisten US-BürgerInnen nicht haben) greifen sie häufig auf verzweifelte Maßnahmen zurück. So ist es umso schlimmer, wenn der höchste Amtsträger der USA keinen klaren Kurs gegen das Corona-Virus fährt, sondern selbst absurde Ideen veröffentlicht.

Trumps Spritzen

So schlägt US-Präsident Trump in einer Pressekonferenz vor, Coronavirus-Infizierten Desinfektionsmittel zu injizieren, mit Bleichmittel oder von innen mit Licht zu behandeln. Er wolle diese Möglichkeiten von seinen Wissenschaftlern überprüfen lassen. Diese unverantwortlichen Aussagen sorgten für Spott und Empörung.

So erklärte der Hersteller des Desinfektionsmittels von Sagrotan beispielsweise auf seiner Website dazu: „Als weltweit führender Anbieter von Gesundheits- und Hygieneprodukten stellen wir klar, dass unsere Desinfektionsmittel unter keinen Umständen in den menschlichen Körper (durch Injektion, Einnahme oder auf andere Weise) verabreicht werden dürfen.“

Doch scheinbar gibt es bereits Menschen, die Trumps Vorschläge ernst nehmen. So erklärte die Giftzentrale im US-Staat Illinois, eine Zunahme an Notrufen zu verzeichnen. In den vergangenen zwei Tagen habe es im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen „signifikanten Anstieg“ der Anrufe im Zusammenhang mit Reinigungsmitteln gegeben. Beispielsweise sei mit einer Mischung aus Bleichmittel und Mundwasser gegurgelt worden, „in einem Versuch, das Coronavirus zu töten“.

Nach der großen Kritik, die es an Trumps Vorschlag gibt, tat ihn der Präsident als Sarkasmus ab und bezeichnete seine eigene Pressekonferenz als Zeitverschwendung. Auf Twitter beschuldigte er ein weiteres mal die Medien, nicht wahrheitsgemäß zu berichten, sondern nur die eigenen Einschaltquoten erhöhen zu wollen.


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