Seit dem großen Lockdown schlossen viele Betriebe. Der Einzelhandel kam zum Erliegen, die Gastronomie schloss ihre Pforten und einige Fabriken produzierten nichts mehr. Ein Teil des Welthandels stoppte. Dass in diesen Zeiten gewissen Produkte nicht mehr hergestellt werden können, ist klar. Allerdings gibt es auch Produkte, die nur für einen bestimmten Markt produziert wurden: beispielsweise die Pommes.

Das Pommesland Nummer 1, Belgien, ruft seine BürgerInnen dazu auf, zwei Mal in der Woche Pommes zu essen. Anderenfalls müssten 750.000 Tonnen Pommes vernichtet werden. In Deutschland sieht es ähnlich aus: Die fettige Pommes im Stadion – fällt aus. Die schmackhafte Pommes im Restaurant – fällt aus. Was übrig bleibt ist der Pommes-Bedarf zu Hause. Doch das reicht der Industrie nicht, denn diese hat sich auf den riesigen Absatzmarkt mit den Pommes eingeschossen.

Wie konnte es dazu kommen?

Die Fabriken produzieren jeden Tag über tausende Kilo Pommes Frites. Überall auf der Welt werden sie  verzehrt. Der Gastronom holt sich seinen Sack Pommes im Großmarkt, wie Metro oder Sellcross. Doch wenn hier keine Gastronomen mehr Pommes kaufen, weil sie ihr Lokal schlichtweg geschlossen haben und somit niemand Pommes essen kann, kommt es zum großen Showdown. Der Großmarkt, als Händler, muss den Fabrikbesitzern sagen, dass sie keine Pommes mehr abgesetzt bekommen.

Im ersten Gedanken sollte das kein Problem darstellen, denn der Fabrikbesitzer könnte die Produktion ja einfach drosseln. Doch da gibt es ein Problem: der Fabrikbesitzer hat sich die Kartoffeln, die zur Pommes-Erzeugung nun mal benötigt werden, auf Vorrat geholt. Das heißt, dass sein ganzes Lager voller Kartoffeln ist. Selbst unter günstigen Umständen, wie Trocken- und Dunkelheit im Lager, sind die Kartoffeln verderblich. Ein riesiges Problem für die Fabrikbesitzer.

Umverteilen?!

So manch einem dürfte an dieser Stelle der Gedanke kommen, dass man die Pommes oder zumindest die Kartoffel doch einfach verschenken könnte. Vielleicht ist es ja sogar eine gute Idee, die Kartoffeln an Bedürftige zu verschenken. Doch hier denkt der Fabrikbesitzer anders, denn er hat die Kartoffel gekauft. Er hat also Kapital investiert. Dieses Kapital will er nicht einfach so verlieren.

Darum kommt für ihn auch überhaupt nicht in Frage, dass die Pommes verschenkt werden. Im Gegenteil: der Fabrikbesitzer, wie Marc van Herreweghe aus Belgien, schlägt vor, die Kartoffeln zu Tierfutter zu verarbeiten oder Biogas daraus herstellen zu lassen, denn so kann er seine Kartoffeln weiter verkaufen und daraus doch noch etwas Kapital schlagen…


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