ArbeiterInnen bei C&A prangern einen Kurzarbeitsbetrug an. Das bedeutet, dass der Konzern ihre Löhne zwar vom Staat als Kurzarbeit bezahlen lässt, sie aber trotzdem voll arbeiten gehen. Dass das öffentlich wird, ist eine Ausnahme, denn ArbeiterInnen gehen oft ein hohes Risiko ein, über den Betrug zu sprechen.

C&A gehört zu den Unternehmen, denen es schon vor der Krise nicht gut ging. Die Möglichkeit, über Kurzarbeit Löhne vom Staat subventionieren zu lassen, kommt solchen Unternehmen gelegen. In Deutschland hat jeder dritte Betrieb Kurzarbeit angefragt.

Wie funktioniert Kurzarbeitsbetrug?

Für Kurzarbeitsgeld ist die Agentur für Arbeit zuständig. Die Anträge zu stellen und Geld zu erhalten, ist für Unternehmen nicht schwer, im Nachhinein gibt es Prüfungen. Bei scheinbaren Ungereimtheiten kann sie die Staatsanwaltschaft verständigen, die dann beispielsweise MitarbeiterInnen befragt.

Unternehmen müssen immer zum Ende des Monats melden, wie viele Arbeitsstunden tatsächlich geleistet wurden. ArbeiterInnen werfen C&A vor, bei dieser Angabe gelogen zu haben. Der Betrieb hätte „trotz Kurzarbeit systematisch Überstunden eingefordert und nicht abgerechnet“. So beschreiben es die Beschäftigen, die mit „Ihr tief enttäuschten Arbeitnehmer“ unterzeichnen, in einer Mail an Management und Betriebsrat.

Der sei nämlich nicht eingeschritten, obwohl der Betrug zu Lasten der ArbeiterInnen offensichtlich gewesen sei. Formal habe das Unternehmen die Beschäftigten aufgefordert, ihre Arbeitszeit zu verringern. Die tatsächliche Arbeitsbelastung sei aber höher gewesen als sonst. So waren die Beschäftigten zu Überstunden gezwungen.

Bloß nicht mit der Presse sprechen

Der SPIEGEL erhielt auf eine Anfrage an den Betriebsrat keine Antwort außer dem Verweis an die PR-Abteilung. Darüber hinaus berichtet SPIEGEL von einer Warnung der PR-Abteilung an die MitarbeiterInnen, „bloß nicht mit der Presse zu sprechen“.


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