Man kann wohl unterstellen, dass das Kommando Spezialkräfte (KSK) – die geheime Eliteeinheit der Bundeswehr – die beste militärische Ausbildung genießt, die man in diesem Land bekommen kann. Zu disziplinierten Killern ausgebildet, werden dort jedoch nicht irgendwelche Männer, sondern auch Nazis. Warum wir für die Auflösung des Kommando Spezialkräfte eintreten müssen und das dennoch nicht reicht. – Ein Kommentar von Paul Gerber

Belege dafür muss man nicht lange suchen: Nazi-Musik bei „Abschiedsorgien“ für Offiziere, Franco A., der sich als syrischer Flüchtling ausgab und mit dieser Identität einen Terroranschlag verüben wollte, zahlreiche „private“ Waffenlager aus Bundeswehrbeständen in allen Himmelsrichtungen des Landes und eben der letzte Fall: KSK-Soldat Phillip Sch. hat in seinem Garten mehrere tausend Schuss Munition, Maschinengewehre und Sprengstoff gelagert.

Vor rechten Tendenzen in der Bundeswehr wird im Übrigen schon länger gewarnt. Da wäre zum Beispiel Jürgen Rose zu nennen. Der damalige Oberstleutnant erhielt, nachdem er öffentlich vor rechtsextremen Soldaten gewarnt hatte, folgende Nachricht: „Sie werden beobachtet, nein nicht von impotenten instrumentalisierten Diensten, sondern von Offizieren einer neuen Generation, die handeln werden, wenn es die Zeit erforderlich macht.“

Absender war damals KSK-Soldat Daniel K.. In der Folge wurde jedoch nicht er, sondern der Kritiker Jürgen Rose entlassen und mit einer Strafe von 3.000 Euro belegt, unter anderem, weil er völlig zutreffend das KSK als „Kloake“ bezeichnet hatte. Daniel K. erhielt einen „milden Verweis“ und durfte mehr als zehn Jahre seine Karriere in der Eliteeinheit fortsetzen und sein Gedankengut verbreiten, bis er 2019 „plötzlich“ als Reichsbürger enttarnt wurde.

Die Verantwortlichen in Staat und der Regierung haben schon mit der damaligen Entscheidung ein klares Signal gesetzt: Wer die dreckige Wäsche der Bundeswehr an die Öffentlichkeit bringt, hat nichts zu lachen. Wer diesen Kritikern „privat“ noch ein bisschen droht, jedoch nichts zu befürchten. So baut man die interne Vorherrschaft der Nazis aus – Operation gelungen.

Der Regierung und der Staatsführung ist bekannt, was im KSK passiert. Vom Leugnen im Jahr 2019 („Dem MAD liegen keine Erkenntnisse vor, dass im Umfeld des KSK rechtsterroristische Netzwerke existieren würden oder im Entstehen begriffen wären.“) ist man jedoch nun zu einem für die Faschisten ermutigenden Schulterzucken übergegangen. Der Chef des MAD (Militärischer Abschirmdienst), Christof Gramm, musste Anfang 2020 vermelden, dass die Zahl der Rechtsextremismus-Verdachtsfälle im KSK etwa fünfmal so hoch sei wie beim Rest der Bundeswehr. Außer einer gelegentlichen Razzia passiert dennoch nichts.

Was geschehen müsste, ist jedoch ziemlich klar: Das KSK, diese Brutstätte faschistischer Elitesoldaten, muss aufgelöst werden. Jedem ehrlich demokratisch gesinnten Menschen sollte das eine Herzensangelegenheit sein. Wer sich jedoch nicht darauf verlassen will, dass der Staat zur Vernunft kommt, der muss sich die unangenehme Frage stellen, wie man sich sonst gegen eine Schattenarmee aus Nazi-Killern verteidigen kann.


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