Wegen der Corona-Pandemie werden die Blutkonserven knapp. In einigen Orten reichen die Vorräte gerade noch für einen Tag. Trotzdem hat die Situation auch etwas Gutes, denn sie könnte den Fall des generellen Blutspendeverbots für homosexuelle Männer bringen.

Die aktuelle Krise überfordert das Gesundheitssystem auf allen Seiten. Sie führt auch dazu, dass nach und nach die gelagerten Blutkonserven aufgebraucht werden. Wie problematisch das ist, fasst Eberhard Weck vom Blutspendedienst Baden-Württemberg und Hessen in einem Satz zusammen: „Das ist der niedrigste Stand, den ich in meinem Berufsleben erlebt habe.“

In den beiden Bundesländern Baden-Württemberg und Hessen ist die Lage am prekärsten: Dort reicht der Vorrat an Blutkonserven nicht einmal für einen ganzen Tag. Ähnlich düster sieht es im Nordosten der Republik aus: In Berlin, Brandenburg, Sachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein genügen die Vorräte aus dem medizinischen Kühlhaus gerade noch so für einen Tag. Entspannter ist die Lage im Westen, wo die Vorräte für mehr als zwei Tage reichen und in Bayern, wo es mehr als vier Tage sind. Die verschiedenen Bundesländer würden sich, wenn nötig, auch gegenseitig aushelfen.

Aktuell werden viele Operationen verschoben, unter anderem, um die Vorräte zu schonen. Besonders heikel wäre die Situation, wenn ein größerer Notfall eintreten würde. Dann würde man schnell viele Blutkonserven brauchen. So sagt Stephan Küpper vom Blutspendedienst West. „Dann haben wir tatsächlich ein großes Problem. In diesen Fällen muss man tatsächlich zur Kühlschranktür gehen können und die bereits bearbeiteten und getesteten Präparate herausnehmen.“

Wesentlich weniger Gelegenheiten zum Blutspenden

Ein wichtiger Grund für den Mangel an Blutkonserven ist, dass öffentliche Blutspende-Termine und auch Termine an Firmen, Schulen oder Hochschulen wegen des Virus wegfallen. Die Leute bleiben oft im Homeoffice beziehungsweise lernen von Zuhause aus. Daher ist die Eigeninitiative der Menschen gefragt, die nun von sich aus zu den jeweiligen Blutspende-Stationen gehen müssen. Gerade diese Eigeninitiative wurde mit dem „social distancing“-Gebot jedoch noch weiter abgeschwächt.

Wird das Blutspendeverbot für Schwule gekippt?

Aufgrund der aktuellen Lage wird wieder über die Aufhebung des Blutspendeverbots für schwule Männer diskutiert. Die momentane Regelung besagt, dass man als Mann mindestens ein Jahr lang keinen Sex mit einem anderen Mann gehabt haben darf, um zur Spende zugelassen zu werden. Verschiedene Lesben- und Schwulenverbände kritisieren diese Praxis, da so allen Schwulen pauschal ein sexuelles Risikoverhalten unterstellt wird. In Bremen ist nun ein Antrag in der Bürgerschaft verabschiedet worden, der auch bundesweit Druck auf den Gesetzgeber und die Bundesärztekammer ausüben soll.


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