Eine taz-Recherche hat eine bislang unbekannte Gruppe ehemaliger Bundeswehr-Mitglieder öffentlich gemacht. Unter ihnen sollen sich auch ehemalige AfD-Abgeordnete über illegale Waffenbeschaffung ausgetauscht und zu Schießübungen verabredet haben.

Die Recherche der taz stützt sich auf Protokolle von facebook-Chats, die zurück bis zum Herbst 2015 nachvollziehbar sind. Eine „Handvoll Männer und Frauen“ sollen sich ausgetauscht haben, dabei fallen mehrfach rassistische Äußerungen. Auch wird deutlich, dass der Kontakt weit über die Chat-Gruppe hinaus ging: Die Gruppenmitglieder organisierten gemeinsame Schießtrainings und diskutierten über Waffenbeschaffung. Auch beschrieben sie die Möglichkeit, ihren Rückzugsort – ein Dorf in Niedersachsen – im Fall der Krise mit dem eigenen militärischen Arm abriegeln zu können.

Wer ist Teil der Gruppe?

Von den Mitgliedern der Gruppe gibt es Verbindungen zur AfD-Landtagsfraktion Sachsen-Anhalt, zu einem CDU-Gemeinderat und der Burschenschaft Germania. Darüber hinaus beteiligten sie sich an Aktionen von Pegida und Legida.

Die Chats finden zwischen ehemaligen Bundeswehrangehörigen und teilweise noch Zugehörigen statt. Wer bei der Bundeswehr war, kann sich im Anschluss als Reservist melden. Eines der Chatmitglieder, Michael S., soll einem anderen Mitglied genau dazu geraten haben: „(…) wenn es nur darum geht nen Ausweis zu bekommen und ne Uniform, damit kann man dann in der Übergangszeit als Vertreter der Staatsmacht auftreten und Enteignungen durchführen“. Michael S. ist selbst Reserveoffizier und zu einem späteren Zeitpunkt AfD-Fraktionsmitarbeiter. Er äußerte sich mehrfach zutiefst rassistisch.

Ein weibliches Mitglied saß bis zum vergangenen Frühling für die CDU im Gemeinderat. Ihr Mann schwärmt von der Effektivität, mit der er seine Waffen gegen Menschen einsetzen könne. Über linke AktivistInnen äußert er sich als „das rote Pack“.

Verfassungsschutz habe keine Kenntnis

Auch für den Verfassungsschutz waren die Erkenntnisse der taz-Recherche nach eigenen Angaben neu. Das für Reservisten zuständige Kommando der Bundeswehr äußerte sich gegenüber der Zeitung nicht. Das Verteidigungsministerium habe in Folge der Veröffentlichungen „umgehend mit Überprüfungen der Angaben“ begonnen.


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