Seit fünf Jahren steht das Flüchtlingslager im Frankfurter Stadtteil Bonames. Als Übergangslager liegt es inmitten des angrenzenden Naturschutzgebiets. Was sich idyllisch anhört, bedeutet für viele Familien Isolation. Nun wollte der kirchliche Träger „Diakonie“ den Familien sogar die Kochmöglichkeiten nehmen – das brachte das Fass zum Überlaufen: Die Geflüchteten gingen auf die Straße. Es waren rund 100 Personen, darunter auch viele Kinder.

Am Mittwoch haben rund 100 Personen in den Frankfurter Stadtteilen Bonames und Kalbach demonstriert, dabei seien auch Straßen blockiert worden. Der Protest dauerte nach Angaben der hessenschau rund zweieinhalb Stunden. Auf den Bildern ist zu sehen, dass auch viele Kinder an der Aktion teilnehmen. Wie eine Nutzerin auf Twitter schrieb, hießen einige der Hauptparolen „wir wollen Platz“ und „wir wollen in die Stadt“.

Die Menschen wohnen in einer Großunterkunft für Flüchtlinge am Alten Flugplatz im nördlichen Frankfurter Stadtteil Bonames. Nach letzten Angaben sollen dort 230 Personen leben, die Hälfte davon Kinder und Jugendliche. Die Familien stammen überwiegend aus Afghanistan und Syrien.

Die Baracken in Leichtbauweise waren vor etwa fünf Jahren errichtet worden. Die Unterkunft war für nur drei Jahre ausgelegt, mittlerweile gibt es sie schon fünf Jahre. Wie ein Mitarbeiter der Diakonie gegenüber Perspektive Online bestätigte, gäbe es Schwierigkeiten, die Geflüchteten aufgrund der angespannten Wohnungslage in Frankfurt in Wohnungen zu vermitteln.

Kochmöglichkeiten genommen

Auslöser des Protests war nun jedoch offenbar, dass den Familien die Möglichkeit genommen werden sollte, selbst zu kochen. Laut Angaben des Trägers gebe es vor Ort ein „komplexes technisches Problem“. Die Unterkunft ist nicht an das normale Stromnetz angeschlossen, sondern wird über ein – offenbar zu klein konzipiertes – Trafohäuschen betrieben. Dadurch drohe eine Überlastung. Die Proteste seien „verständlich“, aber aktuell sei es eben „nicht anders möglich“.

Dies liegt auch am Standort – der von den Geflüchteten schon lange kritisiert wird. Eine Bewohnerin äußerte gegenüber der hessenschau: „Weil wir werden einfach aufgefressen von Spinnen, von Ameisen, von allem möglichen. Weil das ist ja auch ein Naturgebiet, das ist nicht für Menschen gedacht!“. Kritisiert wurde auch, dass die Dächer teilweise undicht seien und eine nahegelegene Wasserquelle verdreckt.

Ob weitere Proteste geplant sind, konnte der Mitarbeiter der Diakonie nicht beantworten, das sei jedoch möglich. Derzeit gebe es noch Gesprächskanäle.

Verantwortlich für die Unterbringung von Geflüchteten ist Daniela Birkenfeld (CDU). Sie war zuletzt im Rahmen des AWO-Korruptionsskandals in Frankfurt in die Kritik gekommen. So hatte sie Presse und Parlament über die wahren Hintergründe belogen, warum ein Vertrag der Stadt im Jahr 2018 mit der AWO über das Betreiben von Flüchtlingsheimen nicht weitergeführt wurde. Scheinbar gab es schon damals Informationen über Unregelmäßigkeiten, doch Birkenfeld deckte die AWO in der Öffentlichkeit.


Wir schreiben für Perspektive – ehrenamtlich und aus Überzeugung. Wir schalten keine Werbung und nehmen kein Geld von Staat oder Konzernen an. Hilf' uns dabei, unseren unabhängigen Journalismus zu erweitern: mit einer einmaligen Spende, einem regelmäßigen Beitrag bei Paypal, Steady oder am besten als Mitglied in unserem Förderverein.