Während Schulen, Schwimmbäder und der Rest des gesellschaftlichen Lebens langsam wieder zum Normalzustand zurück kehrt, bleiben die Universitäten geschlossen. Universitäre Lehre gibt es nur im digitalen Raum. Das wollen 2.000 Lehrende nun ändern.

In einem offenen Brief fordern über 2.000 ProfessorInnen und Dozierende die schrittweise Rückkehr zur Präsenzlehre. „Was die Schulen zu leisten in der Lage sind, sollte auch an Universitäten möglich sein“, heißt es in dem Schreiben.

Die UnterzeichnerInnen der Petition betonen, dass sie die Schritte während der Pandemie gutheißen, und dass auch sie glauben, dass ohne digitales Lernen das Sommersemester nicht möglich gewesen wäre. Doch nun sei es Zeit, in vorsichtigen Schritten zur Präsenzlehre zurück zu kehren. Digitale Lehre könne das Lernen an einer Universität zwar ergänzen, jedoch nicht ersetzen.

Die Präsenzlehre ist den InitiatorInnen der Petition zufolge vor allem aus drei Gründen zu bevorzugen:

  1. „Die Universität ist ein Ort der Begegnung“. Digitale Lehre könne zwar die Inhalte vermitteln, biete aber keinen Raum für soziale Interaktionen, die für ein selbständiges, innovatives Lernen unabdingbar seien.
  2. In der Zeit, in der man studiert, entwickelten sich Netzwerke für das spätere Berufsleben.
  3. In der universitären Lehre gehe es auch um kritische Auseinandersetzung mit dem gelehrten Inhalt. Das Gespräch sei immer noch die beste Grundlage für einen vertrauensvollen Austausch unter mündigen Menschen.

In dem offenen Brief wird außerdem darauf hingewiesen, dass die Entwicklung hin zur digitalen Lehre zwar durch Corona befeuert wurde, allerdings auch schon vorher ein Thema gewesen sei, mit dem sich viele Universitäten befasst hätten.

Die rein digitale Lehre halten viele ProfessorInnen und Dozierende für weniger ertragreich und sinnvoll als die Präsenzlehre. Sie warnen davor, dass Corona als Vorwand genutzt werden könnte, um sich immer weiter von der Präsenzlehre zu entfernen. Die Debatte um das Thema der digitalen Lehre dürfe in keinem Fall durch die aktuellen Ereignisse und vermeintlichen Erfolgserlebnisse abgekürzt werden.


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