Die „Ocean Viking“ ist ein Schiff der privaten Seenotrettung „SOS Méditerranée“. Seit rund einer Woche sind 182 gerettete Menschen an Bord, die auf der Flucht in Seenot geraten sind. Doch bislang lässt kein Hafen das Rettungsschiff einlaufen. Da die Situation an Bord lebensgefährlich wird, hat die Besatzung den Notstand ausgerufen.

182 Überlebende aus mehreren Rettungsmissionen befinden sich im Moment an Bord der Ocean Viking. Ihr seelischer Zustand ist zum Teil sehr schlecht. Zusätzlich leiden Besatzung und Gerettete darunter, dass ihre Versorgungssituation unklar ist. Weil einige der MigrantInnen an Bord in den Hungerstreik getreten sind und sechs von ihnen Selbstmordversuche unternahmen, rief die Besatzung am Freitag den Notstand aus.

Auf den Hilferuf wegen medizinischer Evakuierung gab es keine Reaktion. Ein von der italienischen Seefahrtsbehörde beauftragter Arzt führte auf dem Schiff inzwischen Covid-19-Tests durch. Für die Ausschiffung der Geretteten gibt es noch immer keinen Plan.

Zur fehlenden Reaktion auf den Hilferuf findet Verena Papke, Geschäftsführerin von SOS Mediterranée, klare Worte: „Das ausbleibende Handeln der europäischen Staaten ist ein Skandal. Denn Rettung auf See ist Pflicht und eine Rettung erst dann abgeschlossen, wenn die Geretteten an einem sicheren Ort von Bord gehen konnten. Muss erst jemand sterben, damit die Ausschiffung möglich wird?“

Selbstständig Kurs auf den sizilianischen Hafen Pozzallo

Nachdem auch die Bitte, 44 Gerettete in besonders schlechter Verfassung an Land zu lassen, zu keiner Reaktion führte, entschied der Kapitän, nicht länger auf die Behörden zu warten. Ohne Erlaubnis der italienischen Behörde will er nun die Ocean Viking in den südsizilianischen Hafen von Pozzallo steuern.


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