Wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie der Bertelsmann Stiftung hervorgeht, sind in Deutschland 21,3 Prozent der unter 18-Jährigen von Armut betroffen. Dabei handelt es sich um insgesamt 2,8 Millionen Kinder und Jugendliche. Die Wirtschaftskrise droht das Problem noch einmal deutlich zu verschärfen.

Der Untersuchung liegt dabei eine „kombinierte Armutsmessung“ zugrunde. Das heißt, dass sowohl Kinder aus Familien, in denen Hartz IV bezogen wird, als auch aus solchen, die weniger als 60 Prozent des mittleren Haushaltseinkommens verdienen, berücksichtigt werden. Dabei werden in den letzten fünf Jahren nur wenige Verbesserungen festgestellt. Es gibt jedoch starke regionale Unterschiede.

So ist die Stadt Gelsenkirchen am stärksten betroffen. 41,5 Prozent der Kinder und Jugendlichen wachsen hier in Armut auf. In Bremerhaven, Wilhelmshaven und vielen Städten des Ruhrgebiets sind es ebenfalls mehr als 30 Prozent. Die am stärksten betroffenen Bundesländer sind Bremen (31,3 Prozent) und Berlin (27 Prozent). In Bayern und Baden-Württemberg hingegen sind es weniger als 10 Prozent. Außerdem leben etwa 45 Prozent der Kinder, in deren Haushalten Hartz IV bezogen wird, bei alleinerziehenden Eltern.

Armut bedeutet keine soziale Teilhabe

In Armut aufzuwachsen hat für die betroffenen Kinder und Jugendlichen massive Auswirkungen auf ihre Gesundheit, ihre Bildungschancen und ihre Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Etwa ein Viertel der Kinder aus armen Familien hat in Zeiten von „Homeschooling“ und „E-Learning“ keinen PC.

Zwei Drittel fahren nicht einmal eine Woche jährlich in den Urlaub. Auch die Finanzierung von Klassenfahrten ist schwierig. Oft fehlt das Geld für einen monatlichen Kinobesuch. Die Hälfte der armen Kinder und Jugendlichen leben in Wohnungen mit zu wenigen Zimmern. Selbst Freunde nach Hause einzuladen, ist für sie nicht einfach.

Wirtschaftskrise wird die Lage verschlechtern

Es wird erwartet, dass sich das Problem der Kinderarmut in der Wirtschaftskrise weiterhin vertiefen wird. So sind arme ArbeiterInnenfamilien mit am stärksten von ihr betroffen. Beispielsweise arbeiten Alleinerziehende oft in Teilzeit oder Minijobs und verlieren somit als Erste ihre Arbeitsplätze.

Außerdem sind Unterstützungsangebote für arme Kinder und Jugendliche im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie vielfach weg gefallen. Die Bundesregierung wies inzwischen den Vorwurf von KritikerInnen zurück, sie würde nichts gegen Kinderarmut tun.


Wir schreiben für Perspektive – ehrenamtlich und aus Überzeugung. Wir schalten keine Werbung und nehmen kein Geld von Staat oder Konzernen an. Hilf' uns dabei, unseren unabhängigen Journalismus zu erweitern: mit einer einmaligen Spende, einem regelmäßigen Beitrag bei Paypal, Steady oder am besten als Mitglied in unserem Förderverein.