Aus einer defekten Pipeline der Shell-Raffinerie in Köln-Godorf sind 450.000 Liter Dieselöl ins Erdreich gelaufen. Der Schaden des Rohres ist bereits seit Monaten bekannt.

Durch eine defekte Pipeline einer Raffinerie der Firma Shell in Köln-Godorf sind 450.000 Liter Dieselöl ins Erdreich gelaufen. Das entspricht einer Ladung von etwa 40 Tanklastern. Laut Shell befand sich in der Pipeline ein etwa 1,5 mm großes Loch, durch das über Monate hinweg Dieselöl auslief und ins Erdreich sickerte. Dieselöl ist laut den Verantwortlichen ein bei der Verarbeitung von Rohöl erzeugtes Zwischenprodukt, das sowohl für die Herstellung von Diesel als auch von leichtem Heizöl verwendet wird. Shell geht davon aus, dass das Rohr bei „unsachgemäßen“ Bauarbeiten beschädigt wurde.

Recherchen des WDR ergaben, dass der Schaden der Pipeline bereits seit April bekannt war. Entdeckt wurde es, nachdem eine Messstelle auf dem Grundwasser schwimmendes Öl anzeigte. Es war also lediglich unklar, wieviel Dieselöl genau versickerte. Nach Angaben der Kölner Bezirksregierung schätzen GutachterInnen die Menge auf mindestens 390 Tonnen .

„Das ist ungeheuerlich. Ein solches Ausmaß ist erschreckend. Der Ablauf macht mich fassungslos.“, äußerte sich Paul Krösges, Wasserexperte des BUND. Shell habe das Leck im April diesen Jahres noch als harmlos dargestellt, obwohl die Menge des Öls zeige, dass das Problem schon seit Monaten bestanden habe. Er wirft dem Konzern vor, aus einem Vorfall von 2012 – als dem Unternehmen rund eine Million Liter an Kerosin auslief – nicht die richtigen Konsequenzen gezogen zu haben. Erst über sechs Jahre nach dem Vorfall wurden die rund 17.000 Leitungen saniert.

Normalerweise werden die Leitungen alle 5 Jahre vom TÜV geprüft, die letzte Prüfung der betroffenen Leitung sei 2016 gewesen. „Die Leitungen müssten jährlich überprüft werden“, so Krösges. Abgesehen davon zweifelt Kröges an, dass so eine große Menge Dieselöls verloren gehen kann, ohne dass es jemandem auffällt. Die Aufsichtsbehörde und Bezirksregierung sollten sich ebenfalls fragen, ob sie die Lage lange genug überwacht haben.

Der Schaden im Erdreich und im Grundwasser beschränke sich laut Angaben von Shell auf das Raffinerie-Gelände. Dort arbeite man nun daran, es zu säubern. An zwei Stellen wurde der Grundwasserspiegel an den verunreinigten Flächen mittels Pumpen abgesenkt. Sanierungsbrunnen erzeugen dann einen Absenk-Trichter, in dem sich das Grundwasser und die schwimmenden Ölprodukte sammeln, um dann schließlich separat abgepumpt und entsorgt zu werden.

 


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