Das liest man die Tage des öfteren, wenn man durch die Innenstadt Kölns läuft: Die Plakate sind Teil einer Kampagne der Ultras des 1.FC Köln. Sie haben sich in einem gemeinsamen Dachverband mit anderen Fanclubs, z.B. dem „Südkurve 1. FC Köln e.V“., zusammengeschlossen. – Was es mit diesem Protest auf sich hat, erklärt Joel Rene.

Oft kritisiert für ihre Ausdrucksweise und dann wieder geliebt für ihre Choreos: die Ultras. Doch wenn sie dann doch mal durch Proteste und Verbote weg sind, fehlen sie selbst den größten KritikerInnen. Und auch bei diesem Thema sprechen sie doch eigentlich allen Fußballfans aus der Seele. Zumindest denen, für die Fußball eben nicht nur purer Kommerz ist, den man sich zu Hause auf der Couch als Event reinpfeift.

Club droht, nur spendende Fans ins Stadion zu lassen

Denn einerseits versucht der Club, seine DauerkarteninhaberInnen dazu zu bewegen, sich die Ticketkosten nicht erstatten zu lassen. Dann geht er einen Schritt weiter und droht, erst wieder diejenigen ins Stadion zu lassen, die ihr Geld nicht zurückgefordert haben. Für einen Fußballfan mit Herz und Seele: Erpressung pur.

Als weiteres Argument gegen die Rückerstattung folgt der Verein einer perfiden Logik, in welcher er sein Ansehen ausnutzt. So fordert er, sollte man nicht bereit sein zu zahlen, könnte man seine Karte ja auch zurückgeben. Für diese Dauerkarten jedoch gibt es eine Warteliste, die seit mehreren Jahren geschlossen ist. Wer so mit Fans umgeht, die einem – ob in 1., 2. Liga oder in unvergesslichen Auswärtsspielen in Borisov (Weißrussland) die Treue halten – ist einfach nur beschämend.

Stadionerlebnis ist auch Gemeinschaft

Für Ultras und damit auch einen großen Teil des Stadionerlebnisses selber (ja sogar Sky-Kunden auf dem Sofa beschwerten sich, wenn die Ultras mal keine Stimmung machten) ist klar: „ Wir werden erst dann wieder in der Kurve stehen, wenn alle FC-Fans ohne Einschränkungen ins Stadion dürfen, um ihren FC anfeuern zu können. Für uns steht fest, dass sich ein Stadionerlebnis nicht nur durch das Fußballspiel, sondern auch durch die Gemeinschaft definiert“.

Um dieser Gemeinschaft Ausdruck zu verleihen, kündigen sie völlig konsequent an, keine Karten zu beanspruchen. Und beharren auf ihrem Standpunkt, erst dann wieder ins Stadion zu gehen, wenn eine komplette Auslastung aller Tribünen ohne personalisierte Tickets möglich ist. Sie kritisieren die als Sicherheitsmaßnahmen getarnten Überwachungsmaßnahmen von personalisierten Tickets, sowie neue Ideen von Sicherheitsmaßnahmen, wie sie etwa in Form vorheriger Tests angekündigt wurden.


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