Alljährlich am 20. Juli wiederholt sich das von bürgerlicher und reaktionärer Seite begangene Gedenken an Claus Schenk Graf von Stauffenberg und seine Mitverschwörer. Doch deren Aufbegehren gegen Hitler kann nicht als Antifaschismus bezeichnet werden, da sie den Krieg erst ablehnten, als er bereits verloren war. – Ein Kommentar von Felix Thal

Vor 76 Jahren schlug der Bombenanschlag auf Adolf Hitler fehl. Graf von Stauffenberg und seine Anhänger wurden im Nachgang zum Tode verurteilt und hingerichtet. Heute begehen Parteien wie die CSU Gedenken an Stauffenberg und preisen ihn als leuchtendes Beispiel für den Freiheitskampf.

Sie loben ihn und faktisch auch seine Mitstreiter als Menschen, die ihr Land liebten und für die Freiheit alles riskieren würden. Doch dies zeichnet ein Bild, das bei näherer Betrachtung zusammenfällt. Ihr Umsturzversuch hatte andere Gründe.

Stauffenberg war ein Nazi

Graf von Stauffenberg war überzeugter Nationalsozialist und Antisemit. Er schrieb 1939 an seine Frau, dass Juden nur unter einer Knute leben könnten und polnische Gefangene in der deutschen Landwirtschaft arbeiteten sollten, da sie brauchbar, willig und genügsam seien. Er unternahm nichts gegen die Rassenpolitik des 3. Reiches oder gegen die Pogrome gegen Jüdinnen und Juden.

Er lehnte den Krieg erst zu einem Zeitpunkt ab, an dem er ausweglos verloren war. Er und seine Mitverschwörer waren unzufrieden mit dem Kriegsverlauf und der sich abzeichnenden Niederlage. Sie wollten Hitler nicht wegen seiner Vernichtungspolitik umbringen, sondern ihn durch jemanden ersetzen, der auf die Militärs hören und einen Separatfrieden mit den Briten eingehen würde. Der Krieg und das Morden in der Sowjetunion hätten fortbestanden.

Regimegegner zu sein heißt nicht, den Faschismus abzulegen

Obwohl Adlige wie Stauffenberg die Nationalsozialisten wegen ihrer vulgären Art ablehnten, hinderte es sie nicht daran, deren Kriege zu führen und sich für eine antisemitische Vernichtungspolitik einzusetzen. Die nationalsozialistische Volksgemeinschaft war für die meisten Verschwörer des 20. Juli zentraler Bestandteil ihrer Weltanschauung. Auch die Mitstreiter von Stauffenberg bekannten sich zum Nationalsozialismus und waren zum Teil unmittelbar am Holocaust beteiligt:

  • Arthur Nebe war SS-Gruppenführer und Chef des Reichskriminalpolizeiamts. Bereits in der Weimarer Republik arbeitete er der NSDAP zu und war verantwortlich für zahlreiche Massaker an russischen Jüdinnen und Juden. Er erprobte die Tötung durch Giftgas und war verantwortlich für Menschenversuche in Konzentrationslagern.
  • Generaloberst Erich Hoepner war am Überfall auf Polen beteiligt und kämpfte an der Westfront. Zum Angriff auf die Sowjetunion schrieb er: „Der Krieg gegen Russland ist ein wesentlicher Abschnitt im Daseinskampf des deutschen Volkes. Es ist der Kampf der Germanen gegen das Slawentum, die Abwehr des jüdischen Bolschewismus. Dieser Kampf muss die Zertrümmerung des heutigen Russland zum Ziele haben und deshalb mit unerhörter Härte geführt werden.“
  • Wolf-Heinrich von Helldorff war Polizeipräsident von Potsdam und tat sich in der Verfolgung von Jüdinnen und Juden bereits ab 1933 hervor.

Wenn es einer Gesellschaft wichtig ist, an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus zu erinnern, dann sind es vielmehr Personen wie Georg Elser oder Maurice Bavaud, an die man denken sollte. Denn das Erinnern an Stauffenberg ist keine Erinnerung an antifaschistischen Widerstand.


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