Ein indischer Lieferservice gewährt Frauen und trans Männern einen Tag „Menstruationsurlaub“, zehn Mal im Jahr. Das stößt nicht nur in Indien eine breite Debatte rund um Menstruation, Tabuisierung und berufstätige Menschen mit Menstruation an. Auch die italienische Regierung diskutiert parallel einen Gesetzesentwurf zu „Menstruationsurlaub“.

Der „Menstruationsurlaub“ ist tatsächlich keine Neuerfindung: In vielen asiatischen Ländern wie Taiwan, Indonesien, Japan oder Südkorea haben menstruierende Menschen Anspruch darauf, bezahlt zuhause zu bleiben. Nicht abhängig vom Wohlwollen des Unternehmens, sondern per Gesetz.

Auch in Italien wird derzeit ein Gesetzesentwurf diskutiert: Menschen, die besonders stark unter Periodenschmerzen leiden, sollen bis zu drei Tage bezahlt der Arbeit fern bleiben können. Dieses Fernbleiben ist daran geknüpft, dass eine Ärztin oder ein Arzt ihnen während der Periode Arbeitsunfähigkeit bescheinigt – inwieweit deshalb von „Urlaub“ zu sprechen ist, bleibt diskutabel.

Mit der Bescheinigung entspräche der sogenannte „Menstruationsurlaub“ 36 Tagen im Jahr, das wäre bedeutend mehr als der gesetzlich verankerte Urlaubsanspruch von Vollzeitbeschäftigten in Deutschland.

Mehr Produktivität und weitere Diskriminierung?

Diese Entwicklungen begleitet vielfältige Kritik. Zum Einen bewerben die vier Abgeordneten im Parlament ihren Vorschlag damit, dass die Produktivität der Beschäftigen an den übrigen Tagen umso höher sei. In vielen Berufen führt ein Tag Abwesenheit tatsächlich nicht zu Urlaub, sondern nur dazu, dass der Druck an den übrigen Tagen größer wird.

Außerdem gäbe es einen weiteren Anlass zur Diskriminierung von menstruierenden Personen auf dem Arbeitsmarkt. Der Druck, den Anspruch nicht geltend zu machen oder schon bei Bewerbungsgesprächen zu signalisieren, das nicht zu tun, könnte hoch sein. Denn den Unternehmen würden Kosten entstehen, die durch nicht-menstruierende MitbewerberInnen nicht entstünden.

Menstruation gilt als unrein

Im Fall des indischen Unternehmens ist die Entscheidung aus einem weiteren Grund brisant: Es handelt sich um einen Lieferservice für Essen, und nicht nur in der indischen Kultur gelten Menschen, die gerade ihre Regelblutung haben, noch immer als unrein. Sie sollen mit Lebensmitteln nicht in Kontakt kommen.

Das Unternehmen ist aus dem Grund also auch der Kritik ausgesetzt, sich mit dem Angebot für Beschäftigte auch bei den KundInnen beliebt machen zu wollen, die am Mythos der unreinen Menstruation festhalten.


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