In NRW ist die Schule mit Maskenpflicht auch im Unterricht gestartet. Das wäre nicht nötig, wenn die seit Jahren bestehende Forderung von SchülerInnen und Lehrerverbänden nach kleineren Klassen umgesetzt worden wäre. – Ein Kommentar von Tim Losowski

In immer mehr Bundesländern sind die Schulen wieder geöffnet. Fast überall herrscht Abstands- und Mundschutzpflicht in den Schulgebäuden, nicht jedoch im Unterricht. NRW geht noch einen Schritt weiter. Hier herrscht auch in den Klassenräumen Maskenpflicht, wenn die Mindestabstände nicht eingehalten werden können. Das ist dann der Fall, wenn zu viele Schüler in den Klassen sind – was leider in der derzeitigen Schulrealität in der Mehrzahl der Fall ist.

Zwar haben verschiedene Studien bereits bewiesen, dass eine Maximal-Größe von 20 SchülerInnen pro Klasse angemessen ist und viel bessere Ergebnisse erzielt werden. Doch die Kultusministerkonferenz erlaubt bis heute Klassen mit bis zu 30 SchülerInnen. Nach veralteten Zahlen sind Klassen ab der 5. Jahrgangsstufe dann auch mit 24 SchülerInnen durchschnittlich besetzt. Meist müssen diese dann noch auf engstem Raum lernen, da die Schulgebäude dicht anstatt geräumig gebaut werden.

Hauptsache kein Geld ausgeben

Pädagogische Gründe dafür gibt es nicht – nur finanzielle. In Deutschland umfassten die öffentlichen Bildungsausgaben im Jahr 2019 insgesamt ca. 147 Milliarden Euro. Das sind ca. 4,3% des deutschen Bruttoinlandsprodukts. Zum Vergleich: in Schweden liegen sie bei etwa 7 Prozent, im Durchschnitt der OECD-Staaten bei etwa 5 Prozent.

Dass so wenig Geld für Bildung ausgegeben wird, rächt sich an so vielen Stellen – jetzt eben auch dadurch, dass im Unterricht Maskenpflicht herrscht.

SchülervertreterInnen warnen: „Wer stundenlang mit Mund-Nase-Schutz in einem aufgeheizten Raum sitzt, kann sich meist schlechter konzentrieren und sich schlechter am Unterricht beteiligen“, so der Sprecher der BundesschülerInnenkonferenz, Torben Krauß. SchülerInnen, die bereits im letzten Schuljahr länger mit Maske im Unterricht sitzen mussten, hätten von Kopfschmerzen und Kreislaufproblemen berichtet.

Es würde sich lohnen auf die SchülerInnen zu hören: Schon vor zehn Jahren forderten sie bei den bundesweiten „Bildungsstreik“-Protesten kleinere Klassen und mehr LehrerInnen.


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