Laut einer Studie der Universität Leipzig, die sich mit der Infektionslage an Schulen beschäftigte, seien Bildungseinrichtungen keine Orte erhöhter Ansteckungsgefahr. In den kommenden Wochen werden deutsche Schulen nach den Sommerferien wieder geöffnet.

Ein Team der „LIFE Child Studienambulanz“ der Universität Leipzig untersuchte im Mai und Juni insgesamt 2.600 Testpersonen an achtzehn Schulen in Sachsen. Dabei wurden 1.800 Schülerinnen und Schüler sowie 800 Angestellte für die Studie herangezogen.

Es wurden bei allen Personen Abstriche und insgesamt 2.300 Blutentnahmen durchgeführt. Die Studie wurde unter der Leitung von Professor Wieland Kiess durchgeführt. Kiess ist Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Leipzig.

Wenige Corona-Infektionen

Von den 2.300 Blutentnahmen waren es nur 14 Blutproben, bei denen zweifelsfrei Antikörper gegen das Virus nachgewiesen werden konnten. Dies beweise, so die Studie, dass Schulen nicht – wie angenommen – die großen Übertragungsherde darstellten, obwohl dies als Argument diente, um sie Anfang des Jahres zu schließen.

Dies könnte bedeuten, dass Kinder weniger anfällig für Infektionen zu sein scheinen als Jugendliche und noch weniger als Erwachsene. Zur Bestätigung dieser These seien aber noch weitere ausführliche Studien nötig. Folgestudien sollen sich im September und nach den Herbstferien anschließen.

Untersuchungen der Technischen Universität Dresden bestätigen das Bild aus Leipzig. Bei Untersuchungen an Dresdner Schulen und Einrichtungen im Landkreis Bautzen kam man zu dem Ergebnis, dass bei 2.000 Blutproben 12 Personen mit Antikörpern festgestellt wurden. Auch dies bestätige die Annahme, dass sächsische Schulen keine Corona-Hotspots darstellen würden. Beide Untersuchungen konnten auch keine symptomfreie Infektionshäufigkeit bei den Testpersonen nachweisen. Ziel soll es nun sein, wieder einen möglichst geregelten Schulalltag aufzunehmen.

Schulschließung bedeutet Verlust an Lebensqualität

Zusätzlich zur Studie aus Leipzig wurden auch 900 Schülerinnen und Schüler zu ihrer Lebenssituation befragt. Hierbei berichten die Kinder und Jugendlichen von einem Verlust an Lebensqualität und Fröhlichkeit, seit der Besuch der Schule nicht mehr möglich war.

Besonders gravierend sei dieser Umstand in armen und bildungsschwachen Familien. Die allgemeine Mediennutzung habe sich erhöht, und auch ein Kontaktverlust zu Gleichaltrigen sei zu verzeichnen. Besonders Mädchen sollen sich besorgt um den Zustand ihrer Familien geäußert haben.

Die Befragung zeige außerdem, dass sich dreiviertel aller Personen dafür aussprächen, wieder einen geregelten Schulalltag zu erhalten. Daher seien Schulöffnungen unter bestimmten Bedingungen richtig und wichtig, unter Beachtung aller Hygiene- und Abstandsregeln solle ein normaler Schulbetrieb angestrebt werden.


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