Seit Montag gelten in der spanischen Hauptstadt Madrid wieder verschärfte Corona-Maßnahmen. Besonders betroffen von ihnen sind die armen ArbeiterInnenviertel im Süden der Stadt.

Die spanische Politik will einen kompletten Lockdown wie im Frühling diesen Jahres um jeden Preis vermeiden. Dies dürfte mit ein Grund dafür sein, warum die Zentral- und die Kommunalregierung bislang trotz massiv steigender Infektionszahlen kaum Bestimmungen zur Eindämmung getroffen haben.

Nun ziehen die Behörden in Madrid die Reißleine und führen erneut restriktive Maßnahmen durch. Diese treffen in erster Linie die ärmeren Viertel, in denen viele Wohnungen vollkommen überbelegt sind und das Ansteckungsrisiko dadurch besonders hoch ist.

In den vergangenen Tagen kletterten die Infektionszahlen in den betroffenen Gebieten auf mehr als 1.000 gemeldete Corona-Fälle pro 100.000 EinwohnerInnen. Zum Vergleich: In Deutschland gibt es bundesweit zur Zeit durchschnittlich 8,7 Fälle pro 100.000 EinwohnerInnen.

Seit gestern sind nun die Zugänge zu den ArbeiterInnenvierteln für mindestens zwei Wochen durch die Polizei abgeriegelt: Rein darf niemand, der dort nicht wohnt bzw. arbeitet. Und raus darf nur, wer zur Arbeit, zur Schule, zum Arzt gehen muss oder Kranke in anderen Vierteln pflegt.

In den abgeriegelten Vierteln sind Parks und Spielplätze nun ebenfalls geschlossen. Die Nutzfläche der Lokale ist auf 50 Prozent reduziert und um 22 Uhr ist Sperrstunde. Mehr als 850.000 Menschen dürfen in den kommenden zwei Wochen ihren Bezirk nicht verlassen. Ab Mittwoch, 23. September, werden in der Stadt Madrid 200 PolizistInnen an 60 Kontrollstellen nicht nur auf diese Einschränkungen hinweisen, sondern auch Strafen verhängen.

Bereits am vergangenen Sonntag gab es in den betroffenen Stadtteilen Proteste gegen die Maßnahmen. DemonstrantInnen riefen Parolen wie: „Wir brauchen Ärzte, nicht Polizisten.“ Zudem hielten sie Plakate hoch, auf denen zu lesen war: „Nein zu einer Ausgangssperre nach sozialen Klassen“ und “sie zerstören unsere Viertel und jetzt sperren sie uns ein“.


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