Seit März ist das Verfahren für Antigen-Schnelltests auf Covid-19 bekannt. Sie funktionieren wie ein Schwangerschaftstest und sehen auch so aus. Innerhalb von 15 Minuten erhält man das Ergebnis, ob man Corona-Positiv ist. Doch erst jetzt wird das Verfahren aufgerollt – weil die Wirtschaft mit den Labor-Tests viel mehr Profit machen konnte.

Wer sich auf Corona testen lässt, erhält sein Ergebnis in Deutschland  innerhalb von 24-48 Stunden. Zum Anfang der Pandemie sah dies noch deutlich schlechter aus. In Frankreich dauert es mitunter bis zu 7 Tagen.

Grund dafür ist, dass die meisten Tests im sogenannten PCR-Verfahren durchgeführt werden. Dies geschieht mit Laboren und hat eine hohe Genauigkeit. Was aber wenn es darum geht, Millionen Menschen schnell und unmittelbar zu testen – um weiter Ausbreitungen zu vermeiden, tagelanges Warten in Quarantäne zu verhindern usw.?

Corona-Schnelltests

Hier können Antigentests helfen. Zu dessen Produktion gibt es schon seit März 2020 Publikationen, wie der Virologe Prof. Alexander Kekulé in seinem MDR-Podcast am Mittwoch feststellte. Laut Kekulé handele es sich dabei um Verfahren, welches technisch gesehen viel einfacher als die massenhaft verbreiteten PCR’s-Test sei.

Die einfachste Form von Antigentests sind sogenannte Diffusionstests, die wie ein Schwangerschaftstest funktionieren und aussehen. Als Probe wird dabei Speichel verwendet. In den Produkten befindet sich ein Medium mit einem Antikörper, der das virale Antigen aus der Probe bindet und eine Farbreaktion auslöst. Schnelltests nach diesem Prinzip sind für Influenza- und Streptokokken-Infektionen schon weit verbreitet. Innerhalb von 15 Minuten kann ein Ergebnis vorliegen.

Zu wenig Profit

Doch solche Tests bringen weniger Profit als aufwendige Laborverfahren. Laut Kekulé verdienten Großunternehmen „viel Geld“ an den aufwändigen PCR-Labor-Tests. „Viel mehr als man jemals an einem Schnelltest verdienen könnte“, so der Virologe. „Da war es einfach nicht attraktiv für ein Unternehmen sich selbst Konkurrenz zu machen“, erklärte Kelulé im Podcast.

Auf die Frage des MDR Moderators ob die Infektionsentwicklung besser aussehen würde, wenn man diese Tests früher eingeführt hätte antwortete Kekulé: „Ich gehe fest davon aus“. Dies liege insbesondere daran, dass viele Maßnahmen zu spät ergriffen wurden. Schnelltests an bestimmten Stellen – insbesondere in Urlaubsgegenden – hätten viele Infektionen verhindern können und schnellere Maßnahmen mit sich bringen können.

„Ich verstehe nicht, warum man das nicht früher angepackt hat. Dass man darauf wartet, dass die großen Unternehmen da was liefern“, kritisierte der Virologe die Politik im Podcast.

Im Juli 2020 stellte die US-Behörde FDA sogar eine Anleitung für solche Schnelltests Online und forderte Großkonzerne auf, diese zu produzieren. Mittlerweile sind einige solche Schnell-Tests auf dem Markt in den USA verfügbar. In Deutschland soll im September ein Schnelltest kommen.


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