Hunderte Menschen haben in Neapel gegen die von der Regionalregierung verhängten Ausgangssperren demonstriert und sich Kämpfe mit der Polizei geliefert. In der Region Kampanien waren die Corona-Fallzahlen zuletzt rasant gestiegen. In Berlin wurden Brandsätze gegen ein Gebäude des Robert-Koch-Instituts geworfen.

Die Corona-Fallzahlen in Europa steigen, und die Stimmung in einigen Städten scheint sich zuzuspitzen. Nachdem der Präsident der italienischen Region Kampanien, Vincenzo De Luca, eine nächtliche Ausgangssperre verhängt hatte, gingen in der Nacht von Freitag auf Samstag hunderte Menschen in Neapel auf die Straße, um vor dem Sitz der Regionalregierung gegen die Maßnahme zu protestieren. Dabei kam es auch zu tätlichen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Unter den Protestierenden soll sich eine größere Anzahl von rechten Aktivist:innen befunden haben.

In Kampanien waren die Corona-Zahlen in den letzten Wochen rasant gestiegen. Laut Pressemeldungen fallen in der Region zurzeit 15% aller Corona-Tests positiv aus. Der Anstieg der Pandemie dort ist auch deshalb bemerkenswert, weil Süditalien im Frühjahr deutlich weniger von Covid-19 betroffen war als norditalienische Regionen wie die Lombardei. In Neapel und Umgebung sei man zudem mit der Bereitstellung von Intensiv-Betten im Rückstand.

Insgesamt vermeldete Italien am Freitag 19.000 neue Infektionsfälle bei einer Einwohnerzahl von ca. 60 Millionen. Zum Vergleich: In Deutschland mit seinen 80 Millionen Einwohner:innen liegt die tägliche Zahl an Neuinfektionen momentan bei ca. 12.000.

Neapel ist nicht die einzige europäische Stadt, in der es im Zusammenhang mit Corona am Wochenende zu Ausschreitungen gekommen ist. In Polens Hauptstadt Warschau hat die Polizei im Zuge von Protesten gegen neue Corona-Maßnahmen am Samstag 278 Menschen festgenommen. Mehrere tausend Menschen hatten dort unter anderem gegen ein Versammlungsverbot für mehr als 5 Personen protestiert. Es kam zu Auseinandersetzungen, bei denen die Polizei Wasserwerfer einsetzte.

In Berlin sind derweil Gebäude des Robert-Koch-Instituts (RKI) zum Ziel von Brandsätzen geworden. Ein Sicherheitsmitarbeiter habe demnach in der Nacht von Samstag auf Sonntag bemerkt, wie Personen Flaschen gegen die Fassade des Gebäudes in Tempelhof-Schöneberg warfen. Ein Fenster sei dabei zu Bruch gegangen, der Mann habe die Flammen danach aber löschen können. Inzwischen ermittelt der polizeiliche Staatsschutz des Landeskriminalamts in dem Fall.


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