Unter dem Motto „Nehmt ihr uns den Wald nehmen wir uns die Straßen!“ haben Aktivist:innen erneut Autobahnen blockiert. Dazu haben sie sich von Autobahnbrücken abgeseilt. Sie wollen damit die Zerstörung des Dannenröder Walds verhindern, der einer Autobahn, der A49, weichen soll.

Auch nachdem die Polizei am 1. Oktober die Rodungsarbeiten begann und dabei die Aktivist:innen zu räumen versuchte, riss ihr Protest nicht ab. Noch immer besetzen sie Bäume des Dannenröder Walds, genannt Danni. Da die Rodungen bereits begonnen haben, wird der Wald um sie herum bereits immer lichter. Rund 85 Hektar des 300 Jahre alten Mischwaldes sollen für die Autobahn abgeholzt werden.

Deswegen haben sie nun zum zweiten Mal Autobahnen blockiert. Dazu seilten sie sich von Autobahnbrücken im Rhein-Main-Gebiet ab. Ihre Blockade löste Staus auf, die sich teils erst zum Mittag auflösten. Mit den Menschen im Stau kommunizierten die Aktivist:innen dabei über twitter: „Ihr steht nicht im Stau, ihr seid der Stau!“.

Der Geschäftsführer des hessischen Industrie- und Handelskammertags HIHK, Robert Lippmann, kritisierte die Blockade scharf. Er stellte fest: „Wir sehen mit Sorge, dass der Protest zunehmend in weitere Teile der Wirtschaft und des Verkehrs eingreift.“

Wut auf den Grünen Verkehrsminister

Aktuell trägt die Verantwortung für den Bau der A49 Tarek Al-Wazir. Auf der Landesmitgliederversammlung äußerte er sich dazu: „Ich ärgere mich darüber, dass ich eine Autobahn fertigbauen muss, die ich selbst nie wollte“. Eine Analyse von Greenpeace ergab, dass die hessische Landesregierung wasserrechtliche Fragen nutzen könnte, um den Bau zu stoppen. Immerhin liegt unter dem Dannenröder Wald ein Wasserschutzgebiet.

Auch eine Juristin kam jüngst zu dem Urteil, dass Al-Wazirs Hände längst nicht so gebunden seien, wie er angibt.

SPD will Strafmaß prüfen

Bei der vergangenen Blockade kam es im Stau zu einem Auffahrunfall. Bei diesem verletzte sich ein Mann schwer. Verschiedene Mitglieder des Landtags machten dafür die Aktivist:innen verantwortlich.

In Anbetracht dessen, dass Auffahrunfälle zum traurigen Alltag auf Autobahnen gehören, nennen die Aktivist:innen diese Beschuldigung „geschmacklos“.

Der Verkehrspolitische Sprecher der SPD im hessischen Landtag, Marius Weiß, will das Ausmaß der Repressionen für diese Form von Umweltaktivismus überprüfen: „Wenn das jetzt ein neuer Volkssport wird, sollten wir schauen, ob die bisherigen Strafen für so einen gefährlichen Irrsinn ausreichen.“


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