Während der Proteste in den vergangenen 12 Monaten in Chile war eine der Kernforderungen die Abschaffung der Verfassung, welche noch aus der Zeit der Pinochet-Diktatur stammt. In einem erkämpften Referendum sprach sich die Mehrheit der chilenischen Bevölkerung nun gegen diese Verfassung aus.

Am Montagmorgen Mitteleuropäischer Zeit waren die Stimmen aus etwa 94 Prozent der Wahllokale ausgezählt. In dem lateinamerikanischen Land hatte es ein Referendum gegeben, welches aus zwei Fragen bestand. In der ersten ging es darum, ob Chile eine neue Verfassung bekommen solle. Diese beantworteten rund 78 Prozent derer, die sich am Referendum beteiligten, mit ja.

Die derzeit gültige Verfassung von 1980 stammt noch aus der Zeit der faschistischen Militärdiktatur Augusto Pinochets. Sie stand unter anderem deswegen aber auch wegen geringer Mitsprachemöglichkeiten der Bevölkerung und der von ihr vorgesehenen mächtigen Zentralregierung in der Kritik.

In der zweiten Frage ging es darum, wie die neue Verfassung entstehen solle. Dabei war eine Möglichkeit die Wahl einer verfassungsgebenden Versammlung im nächsten Jahr, welche je zur Hälfte aus Männern und Frauen bestehen würde. Die andere war eine Zusammensetzung, bei der eine Hälfte der Delegierten aus Parlamentarier:innen bestanden hätte. Hier entschieden sich 79 Prozent für die verfassungsgebende Versammlung.

Dieses Referendum musste sich die chilenische Bevölkerung jedoch erst erkämpfen. Im letzten Jahr hatten wochenlange Massenproteste das Land erfasst. Im März waren sie erneut aufgeflammt.

Proteste in Chile flammen erneut auf

Zunächst richteten sich diese gegen eine Fahrpreiserhöhung im öffentlichen Nahverkehr der Hauptstadt Santiago de Chile, wuchsen jedoch zu einer Protestbewegung gegen die allgemeine Lage im Land an. Eine zentrale Forderung der Bewegung war dabei die Inkraftsetzung einer neuen, fortschrittlicheren Verfassung mit Grundrechten auf Arbeit, Bildung und Trinkwasser und einer rechtlichen Anerkennung indigener Völker.


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