Wer seit Anfang des Jahres einen Blick auf den Aktienmarkt wagt, sieht einen deutlichen Crash des Deutschen Aktienindexes (DAX) im Frühjahr. Mittlerweile hat sich der DAX aber wieder in eine Lage gebracht, die für Anleger:innen attraktiver erscheint. Die derzeitige Wirtschaftskrise lässt Anleger:innen und Spekulant:innen in sichereres Fahrwasser gleiten. – Der heutige Blick geht zur Aktie des Immobilienkonzerns „Vonovia“. Sie brach in den letzten fünf Jahren in der Bundesrepublik Deutschland um mehr als 10 Millionen Euro ein.

Es ist nicht überraschend, dass die Aktien der Wohnungsunternehmen etwas krisenfester sind als andere. So erklärte das Handelsblatt, dass der Immobilienmarkt sowieso zwei Jahre der realen Wirtschaft hinterherhinken könne. Die Rechnung ist einfach: Will ein:e Immobilienunternehmer:in ein Haus bauen, so kauft man das Baugrundstück dann, wenn die Wirtschaft gerade im Aufschwung ist. „Krisensichere Investition“ nennen das die Verkaufenden. Bis allerdings das Haus auf dem Grundstück bezugsfertig ist, vergeht – schon allein durch den bürokratischen Aufwand – eine geraume Zeit. Doch dieser Einsatz lohnt sich – zumindest für die großen Immobilienkonzerne.

Seitdem riesige Konzerne sich auf dem Immobilienmarkt tummeln und den durch großen Leerstand verknappten Wohnungsmarkt kontrollieren, steigen deren Umsätze von Jahr zu Jahr. Ende 2020 soll ein neuer Rekordumsatz von mehr als 290 Milliarden Euro erreicht werden – trotz Krise. Derzeit feilschen „Deutsche Wohnen“, Vonovia und Co. an ihrem Image, um weiteres Vertrauen auch bei den Anleger:innen zu gewinnen.

Situation in Berlin eskaliert weiter

Denkt man an einen umkämpften Immobilienmarkt, so denkt man häufig an die Situation in Berlin. Hier ist der Wohnungsmarkt so unübersichtlich und schnelllebig, dass es schwer fällt, ihn zu analysieren. Eine neue Episode des kapitalistischen Irrsinns spielt sich nun zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Wohnungskonzern Vonovia ab. Caren Lay (Die Linke) stellte hierzu eine Anfrage bei der Bundesregierung. Hier trat zutage, dass die BRD seit 2015 über 10 Millionen Euro an den privaten Wohnungskonzern überwiesen hat – alles Steuergelder.

Die „irrsinnige Privatisierung“, wie Caren Lay sagt, hatte seinen Anfang im Verkauf derjenigen Immobilien an Vonovia, die früher dem Staat gehörten. Jetzt mietet der Staat eben diese Wohnungen bei dem DAX-Konzern Vonovia wieder an, weil er selbst nicht in der Lage ist, genügend Wohnungen für seine Bediensteten bereit zu stellen. Somit macht „der Konzern auf Kosten der öffentlichen Hand Profit“, wie Lay die Situation weiter beschreibt.


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