In der vergangenen Nacht haben sich die IG Bau und der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks auf einen Tarifabschluss für die rund 700.000 Gebäudereiniger:innen in Deutschland geeinigt. Die Arbeiter:innen reagieren enttäuscht über den schwachen Abschluss.

Die beiden Tarifparteien einigten sich darauf, dass der Mindestlohn in der Branche in drei Stufen bis zum Jahr 2023 auf dann insgesamt zwölf Euro steigen soll. Aktuell liegt der Mindestlohn für Gebäudereiniger:innen bei 10,80 Euro pro Stunde.

Der Mindestlohn hat in der Branche des Gebäudereinigunger-Handwerks eine besondere Bedeutung, da rund drei Viertel aller Gebäudereiniger:innen lediglich den Mindestlohn bezahlt bekommen.

„Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie sehr es auf Sauberkeit und Hygiene in Krankenhäusern, Schulen und Büros ankommt. Für ihre Arbeit unter erschwerten Bedingungen erhalten die Beschäftigten nun eine faire Anerkennung“, sagt IG BAU-Verhandlungsführerin Ulrike Laux.

Arbeiter:innen enttäuscht über Gewerkschaftsabschluss

Während die Gewerkschaft ihren erreichten Abschluss als eine „faire Anerkennung“ feiert, scheinen die betroffenen Arbeiter:innen da ganz anderer Meinung zu sein.

Auf der IG BAU-Aktionsseite „Sauberkeit braucht Zeit“ entlädt sich der Frust der Arbeiter:innen über das aus ihrer Sicht schlechte Ergebnis der Verhandlungen. So seien die Lohnerhöhungen zwar in Ordnung, da die Erhöhung jedoch erst in drei Jahren voll greife, würden große Teile davon vermutlich vollkommen von der Inflation aufgefressen werden, was einer Nullrunde gleichkäme.

Hinzu kommt die große Enttäuschung, dass die Gewerkschaft sich beim Thema Weihnachtsgeld nicht durchsetzen konnte, und dass über einen „Corona-Bonus“ für die Beschäftigten scheinbar gar nicht erst verhandelt wurde.

Die Arbeiter:innen weisen zudem in ihren desillusionierten Kommentaren darauf hin, dass die Lohnerhöhungen in vielen Betrieben vermutlich mit einer stark steigenden Arbeitsintensität einhergehen werde und damit letztendlich gar nichts gewonnen sei.


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