Die Wirtschaftsberater der Bundesregierung haben ihr Jahresgutachten zur Entwicklung der deutschen Wirtschaft vorgelegt. Darin diskutieren sie auch, wie die Krisenfolgen bezahlt werden. So schlagen sie vor, dass Menschen noch länger als bis zum 67. Lebensjahr arbeiten.

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, umgangssprachlich die „fünf Wirtschaftsweisen“ genannt, hat sein Jahresgutachten 2020/2021 vorgelegt. Bei dem Gremium handelt es sich um eine staatliche Institution, in der fünf Ökonom:innen Empfehlungen für verschiedene Regierungsgremien ausarbeiten.

Das Gutachten geht davon aus, dass das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2020 um etwa 5,1% schrumpfen wird. Das ist in etwa soviel wie im Jahr 2009 während der letzten Weltwirtschaftskrise. Für den Euro-Raum wird ein Rückgang von 7% erwartet.

Für 2021 wird schon wieder mit einem Wachstum von 3,7 % gerechnet. Das Vorkrisenniveau des 4. Quartals 2019 dürfte allerdings nicht vor Anfang des Jahres 2022 erreicht werden.

Einschränkend ist festzuhalten: In der Prognose geht der Sachverständigenrat davon aus, dass das Infektionsgeschehen mit begrenzten Eingriffen unter Kontrolle gehalten werden kann, dafür kein umfangreicher Shutdown wie im Frühjahr 2020 notwendig werden wird und die internationalen Lieferketten nicht wesentlich gestört werden. Das ist jedoch noch nicht unbedingt gegeben.

Bald Rente mit 70?

In seinem Gutachten beschäftigt sich der Sachverständigenrat auch damit, wie die öffentlichen Finanzen, die durch massive Schuldenaufnahme belastet sind, wieder ausgeglichen werden können.

Dabei sehen die fünf Wirtschaftsweisen in den „Auswirkungen des demografischen Wandels“ ein besonderes Problem – also darin, dass immer mehr Menschen länger leben. Dadurch würde das Rentenmodell unter Druck geraten. Schon jetzt wird die Rente stark aus dem Staatshaushalt subventioniert.

Langfristig solle eine „Erhöhung des Renteneintrittsalters“ etwa durch eine „Kopplung an die steigende fernere Lebenserwartung“ dies abschwächen. Dabei würde die „ansteigende Lebenserwartung zu zwei Dritteln in eine längere Erwerbsphase und zu einem Drittel in eine längere Rentenphase aufgeteilt.“

Im Klartext: Je älter Arbeiter:innen werden können, desto länger sollen sie auch arbeiten. Damit wird der Rente mit 70 Tür und Tor geöffnet.


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