Mit dem Aufkommen der grünen Bewegungen wie FFF (Fridays For Future) wird ein Umdenken in der Bevölkerung gefordert. Seither stellen sich sogar Autokonzerne auf vermeintlich umweltfreundlichere Fortbewegungsmittel um und betreiben „Green Washing“. In der Landwirtschaft gestaltet sich der Umbruch noch etwas schwieriger. – Ein Kommentar von Stefan Pausitz

Überall hört und sieht man neue Konzepte, die Nachhaltigkeit versprechen. McDonalds ändert z.B. seine Hausfarbe von Rot auf Grün. Grün gilt seit einigen Jahren als eine reine Farbe. Viele Verbraucher:innen verbinden die Farbe mit Ökologie, also Natur. Automobilkonzerne schwenken – endlich – um und setzen auf batteriebetriebene Fahrzeuge, deren Strom durch „innovative“ Wasserstoffspeicher „effizient“ ins Auto gelangen kann. Aber die Verbraucher:innen wollen/müssen ihre Autos auch nachts mit „nachhaltigem“ Strom laden. Das wird allerdings schwierig, wenn über Nacht die Sonne weg ist, der Strom jedoch durch Photovoltaik (=Sonne) ins Stromversorgungsnetz eingespeist  wird.

Unterm Straßenpflaster liegt kein Strand

Das alles ist für Viele heutzutage also noch Zukunftsmusik. Entweder, weil sie sich kein batteriebetriebenes Fahrzeug leisten können oder ihnen das Geld für eine Photovoltaikanlage auf dem Dach fehlt, meistens sogar beides. Ebenso ‚verkauft‘ sich die Wirtschaft besser, als sie im Endeffekt handelt. Viele Verbraucher:innen wechselten beispielsweise zu Stromanbietern mit nachhaltiger Energie. Sie erhoffen sich dadurch, dass der Strom aus der Steckdose eines Nachts umgeschaltet wird und sie am nächsten Tag mit sonnen- und wind-erzeugtem Strom im Bad stehen.

Hier werden die Verbraucher:innen allerdings massiv getäuscht. Denn die Versorgungsleitung, die alle Haushalte in der Straße versorgt, ist immer noch die gleiche Leitung wie vor dem Vertragswechsel. Hier fließt auch immer noch der gleiche Strom hindurch wie vor dem Vertragswechsel – erzeugt aus Kohle und Atom. Sogar der Stromzähler im Keller ist noch der Gleiche. – Eine klare Täuschung der Verbraucher:in. Lediglich der neue Anbieter darf nun etwas mehr Strom in das Stromnetz einspeisen. Doch die wunderschönen Kreisdiagramme, die aufzeigen, zu wieviel Prozent nachhaltigen Stroms in Zukunft durch einen selbst abgenommen werden, sind Schönfärberei.

Aggressive Agrokultur

Doch nicht nur beim Strom, sondern auch in der Landwirtschaft können die Landwirt:innen häufig nicht so erzeugen, wie sie eigentlich erzeugen möchten. Viel zu viel Bürokratismus gilt es zu überwinden oder verhindert ein Umdenken. Beispielsweise gibt es hier den sogenannten „Agroforst“. Der Agroforst hat das Ziel, eine etwas ökologischere Balance zwischen Feld und Wald zu entwickeln. So werden nahe des Feldes Büsche, Bäume und Gräser angepflanzt, um eine gewisse Artenvielfalt im Tierreich zu fördern. Derzeit vermehren sich beispielsweise Mäuse extrem stark auf den Feldern, weil sie keine natürlichen Feinde haben. Deren natürlichen Feinde, wie Greifvögel, finden eben nicht genügend Brutstätten oder Jagdgebiete.

Wenn die Landwirt:innen deshalb nun etwas mehr Grün um das Feld herum anpflanzen wollen, um den von den Mäusen verursachten Schaden mit neuen Brutstätten für Greifvögel natürlich zu deckeln, benötigt es einen Gang zur Behörde. Tatsächlich gibt es hier eine EU-Förderung über fünf Jahre hinweg, um Agroforst zu betreiben. Allerdings wandelt sich dieses so bestellte Feld samt seinem Saum nach den fünf Jahren automatisch in eine Art Biotop um. Das wiederum ist für die Landwirt:innen ein so einschneidender Verlust, dass es sich auch finanziell schlicht nicht rechnet. Eine Umwandlung in eine Art Naturschutzgebiet andererseits würde mächtige gesetzliche Eingriffe in die Feldbewirtschaftung bedeuten.

Giftige Konzerne

Darum rücken die Bauern und Bäuerinnen den Mäusen doch lieber mit Giftködern zu Leibe. Normalerweise erhält jede/r Landwirt:in, der/die solche Köder verstreut, zuvor einen Lehrgang. Hier lernt man z.B., dass maximal fünf bis acht Kugeln des Gifts in ein Mäuseloch gesteckt werden dürfen. Denn diese Kugeln enthalten so schweres Gift, dass schon diese Dosis ein Wildschwein umbringen könnte. Danach muss das Loch mit Erde überdeckt werden.

Wenn dies aber nicht eingehalten wird, können auch andere Tiere diese Giftköder fressen und würden natürlich sterben. In einem mitteldeutschen Bundesland haben beispielsweise fünf Hasen solche Kugeln gefressen. Danach sind sie noch ein paar Mal im Kreis gehoppelt und dann verendet. Dieses Verhalten kann aber auch ein Anzeichen für eine Seuche sein. Darum wurden die Tiere untersucht und nur deshalb wurde festgestellt, dass die Tiere an den eben erwähnten Giften verendet sind. Eine Ministerin wollte daraufhin mit den Manager:innen der herstellenden Firma reden, um Kompromisse zu finden. Diese schickten zum vereinbarten Treff allerdings nur eine Horde von Anwält:innen mit entsprechend viel Papier. In diesem Papier wollten die Anwält:innen beweisen, dass die verendeten Hasen durch Tierschützer:innen auf das Feld gelegt wurden, und dass es weit und breit eigentlich keine Hasen gäbe.

Dies sind nur einige Absurditäten, warum einzelne „grüne“ Reformen nicht ausreichen, um wirklich etwas zu ändern. Solange der Kapitalismus das herrschende Gesellschaftssystem bleibt, wird auch jede „grüne“ Politik nur seinen Interessen dienen.


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