Nach dem Terroranschlag in Wien wurde der Chef des österreichischen Verfassungsschutzes vorerst seines Amtes entbunden. Das Innenministerium ist in Erklärungsnot und gibt weitere Fehler zu.

Nach dem faschistischen Anschlag in Wien durch einen Islamisten geraten die Behörden in Erklärungsnot. Lange vor der Tat wurde das Wiener Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) vor dem Täter gewarnt. Auf einer Pressekonferenz erklärte der amtierende Polizeipräsident Gerhard Pürstl, dass der Chef des LVT vom Dienst suspendiert werde.

Der Täter hatte vergangenen Montag in Wien auf offener Straße 4 Menschen getötet und weitere 22 verletzt. Der „Islamische Staat“ (IS) beanspruchte die Tat für sich.

Täter war den Behörden bereits bekannt

Der Täter hatte Kontakt zu Personen, die vom deutschen Verfassungsschutz beobachtet werden. Dies gab der Verfassungsschutz auch nach Wien weiter, doch darauf sei keine Beobachtung des Islamisten durch das LVT vorgenommen worden.

Am Mittwoch hatte der Innenminister Karl Nehammer bereits bestätigt, dass der slowakische Geheimdienst vor dem Anschlag die österreichischen Behörden über einen versuchten Munitionskauf des Täters informiert hatte. Dabei spricht das Innenministerium von „offensichtlichen und nicht tolerierbaren Fehlern“. Jedoch bleiben die Behörden eine weitergehende Erklärung schuldig und versuchen, sich aus der Affäre heraus zu winden.

Laut dem slowakischen Geheimdienst sei der Warnhinweis bereits am 10. September erfolgt. Wien spricht hingegen von Mitte Oktober.

Durchsuchungen in Deutschland und Österreich

Bereits am Freitag durchsuchte das Bundeskriminalamt (BKA) auch in Deutschland mehrere Wohnungen und Geschäfte. Zwei der vier Menschen, die durchsucht wurden, hatten sich im Juli mit dem Attentäter getroffen.

In Österreich wurden seit dem Anschlag 16 Verdächtige festgenommen. Davon sitzen 10 weiterhin in Haft. 8 von ihnen werden dringend beschuldigt, dem Täter vor der Tat geholfen zu haben.

Mittlerweile sind 2 Moscheen in Österreich geschlossen worden, die dabei geholfen haben sollen, den Täter zu radikalisieren. Dabei handelt es sich um die Melit-Ibrahim-Moschee im Wiener Bezirk Ottakring und die Tewhid-Moschee in Wien-Meidling.


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