Schon Anfang Dezember hatten Landwirt:innen bei Lidl mit Blockadeaktionen Gesprächsbereitschaft erkämpft. Der Konkurrent Aldi ist hartnäckiger: Schon zum zweiten Mal blockierten Erzeuger:innen Zentrallager des Lebensmitteldiscounters und erzielen einen ersten Erfolg.

In der ersten Dezemberwoche begannen die Landwirt:innen in der Montagnacht, acht Zentrallager von Aldi zu blockieren. Mit ihren Traktoren machten sie Zufahrten dicht. Der ndr berichtet, dass allein am Standort Lingen über 50 LKW nicht planmäßig liefern konnten. Erst als die Landwirt:innen eine schrifltiche Zusage über die Gesprächsbereitschaft erhalten haben, ließen sie den Lieferverkehr wieder zu.

Der Grund für die Proteste sind ständig sinkende Erzeuger:innenpreise. Seit Anfang des Jahres war der Schweinepreis von knapp 2 Euro pro Kilogramm auf 1,19 pro Kilo gesunken. Erste Ideen, wie den existenziell bedrohten Höfen ein fairer Handel angeboten werden kann, haben die Demonstrierenden schon: Die Hälfte des Ladenpreises soll an die Bäuer:innen gehen, ohne Abzüge.

Auf die Blockaden hin musste der Discounter auf die Forderungen der Bäuer:innen eingehen. Es fanden Gespräche zwischen Vertreter:innen von „Land Schafft Verbindung“ und Aldi Nord & Süd statt. Gleichzeitig gab es ein weiteres Treffen, an dem ebenfalls Aldi, Edeka, Rewe und die Schwarz-Gruppe. Aldi, Lidl, Kaufland und Rewe haben bereits in der vergangenen Woche ihre Preise für Schweinefleisch erhöht.

Faire Preise – bloß nicht zu Lasten des Handels

Bei Lidl kosten 500 Gramm Schweinehack nun statt 2,70 Euro 3,20 Euro – die Mehreinnahmen sollen ohne Umschweife an die Landwirt:innen gehen. Die Einnahmen des Lebensmittelhandels würden davon unberührt bleiben, ihr Gewinn bleibt gleich.

Der Vorschlag, auf Kosten des Lebensmittelhandels die Landwirtschaft fair zu entlohnen, konnte sich offenbar nicht durchsetzten. Stattdessen schlägt Aldi einen Hilfsfonds vor: Der Lebensmittelhandel könnte einen Teil des Umsatz der Agrarprodukte in den Fond abführen, der dann mit staatlichen Geldern aufgestockt würde.

Erneute Blockaden

Bis jetzt ist aber nicht transparent, wie sichergestellt wird, dass die Mehreinnahmen auch bei den Landwirt:innen ankommen. Zwischen Handel und Höfen besteht in der Regel keine direkte Vertragsbeziehung, dazwischen stehen Lieferunternehmen, Schalchtereien und Weiterverarbeitungsstätten.

Außerdem sind viele Landwirt:innen noch immer nicht zufrieden: Nur Schweinefleisch- und Milcherzeuger:innen können bisher von der Einigung profitieren.

Zuletzt seien freiwillige, punktuelle Preiserhöhungen keine Lösung für ein dauerhaftes Problem. Der Bundesverband der Verbraucherzentrale will auch die Gesetzgebung zur Verantwortung ziehen: „Der Handel muss gesetzlich zu mehr Fairness im Umgang mit der Landwirtschaft verpflichtet werden.“

Deswegen haben in dieser Woche erneut Blockaden vor Aldi-Zentrallagern stattgefunden, die erst nach einem Kooperationsgespräch aufgelöst wurden.


Wir schreiben für Perspektive – ehrenamtlich und aus Überzeugung. Wir schalten keine Werbung und nehmen kein Geld von Staat oder Konzernen an. Hilf' uns dabei, unseren unabhängigen Journalismus zu erweitern: mit einer einmaligen Spende, einem regelmäßigen Beitrag bei Paypal, Steady oder am besten als Mitglied in unserem Förderverein.