In der vergangenen Samstagnacht hat ein 26-Jähriger in Berlin-Charlottenburg auf mehrere Männer geschossen. Zeitungen berichteten noch in der selben Nacht über mögliche „Clan-Kriminalität“. Nachdem der Täter sich in Hamburg gestellt hatte, erhärtete jedoch eine Hausdurchsuchung den Verdacht auf ein rassistisches Motiv.

In der Nacht zu Sonntag schoss ein Mann auf eine Gruppe von Männern. Die Opfer des Übergriffs hätten in der Tatnacht mit drei PKW an einer Kreuzung in Charlottenburg gehalten. Als sie ausstiegen, kam ihnen der Täter zu Fuß und mit scharfer Waffe entgegen. Vom Fußweg und der Fahrbahn aus habe er auf die Männer geschossen, anschließend sei er zu Fuß geflüchtet.

Zunächst waren sowohl der Schütze als auch einige Autoinsassen nicht auffindbar. Zwei der angegriffenen Männer wurden von Einsatzkräften im Laufe der Nacht in der Nähe des Tatorts aufgespürt. Die beiden machten keine Angaben zum Tathergang oder weiteren Beteiligten. Weitere Mitfahrer sowie der Fahrer eines PKW seien nach dem Angriff bis zuletzt verschwunden.

Staatsschutz ermittelt wegen „fremdenfeindlichen Hintergrunds“

Der Tatverdächtige habe sich am Montag in Hamburg gestellt, wo er auch gemeldet ist. Der 26-jährige Deutsche wurde festgenommen. Eine Polizeisprecherin gab bekannt, dass eine Wohnungsdurchsuchung Anlass gab, ein „fremdenfeindliches“, also rassistisches, Tatmotiv in Betracht zu ziehen. Nun ermittelt der Staatsschutz.

Anti-rassistische Aktivist:innen wie der Medien- und Kommunikationswissenschaftler Tarek Baé prangern die mediale Täter-Opfer-Umkehr im Umgang mit dem Angriff an. Obwohl sich schon nach kürzester Zeit der Verdacht auf ein rassistisches Tatmotiv erhärtete, berichteten Medien von einem „Clan-Streit“ und mutmaßten unter den Opfern „Clan-Mitglieder“, die an einer „Auseinandersetzung beteiligt“ gewesen wären.

So ging die Polizei bei ihren Auskünften zu den Ermittlungen auch darauf ein, dass man bisher nicht wisse, warum die Männer sich nachts getroffen hatten. Die Gründe der Opfer, sich am Tatort aufzuhalten, haben nach aktuellem Informationsstand keinen Zusammenhang mit der Tat.

„So werden Opfer zu Tätern gemacht und Rassismus geleugnet. Das ist längst gewohnte Perversion. […] Das ist ein strukturelles Problem. Es verkauft sich halt gut. Auf dem Rücken der ‚Fremden‘.“, so Baé.


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